BTG Pactual, die Investmentbank, die seit der der Verhaftung ihres Vorstandsvorsitzenden André Esteves in einer großen Vertrauenskrise steckt und den weiteren Abfluss von Investorengelder befürchten muss, ist dringend darauf angewiesen, Liquidität aufzubauen. Unterstützung kommt von anderen Banken. Weitere Verkäufe von Beteiligungen sind wahrscheinlich.

 

BTG Pactual ist zwar international gesehen ein kleiner Fisch, aber für die brasilianische Wirtschaft hat die Bank durch die zahlreichen Verflechtungen in Industrie und Politik eine besondere Bedeutung. Gleichzeitig hat ihr charismatischer und mittlerweile von allen Positionen zurückgetretene Vorstandsvorsitzende die gesamte Bankbranche der vergangenen Jahre stark mit geprägt. In seiner Bedeutung wird BTG Pactual in Brasilien daher auch mit den Fall von Lehman Bros. gleichgesetzt, der 2007 eine Finanzkrise ausgelöst hatte.

Von den 40 Mrd. R$ an Liquidität, über die BTG Pacutal aktuell verfügt, sind nur ca. 13 Mrd. R$ unter direkter Kontrolle der Bank. Der Druck ist also groß, das Finanzpolster schnell auf eine ausreichend große Basis zu bringen.

In dieser Woche wurde bereits die Beteiligung an der Krankenhauskette Rede D’Or abgestossen. Daneben hat die Bank nun eine Kreditlinie in Höhe von 6 Mrd. R$ mit dem staatlichen Bankengarantiefond vereinbart, die sofort zur Verfügung steht.

Brasilianische Banken unterstützen die angeschlagene Bank. So haben Bradesco, Itaú und Caixa Teile des Kreditportfolios übernommen. 1,2 Mrd. R$ erhält BTG Pactual dafür von Bradesco. Itaú und Caixa haben circa 4 Mrd. R$ an Verbindlichkeiten abgekauft. Insgesamt hat sich BTG Pactual so von 13% seines Kreditportfolios in Höhe von 30,9 Mrd. R$ getrennt. Das starke Interesse der anderen Banken BTG Pactual zu retten ist auch dadurch begründet, dass alleine Bradesco 6,7 Mrd. R$ an Wertpapieren der BTG Pactual hält und über weitere Publikumsfonds insgesamt 16,1 Mrd. R$ an Anleihenwert.

Ob diese Maßnahmen ausreichen ist jedoch ungewiss. Anlass zur Sorge geben laufende Terminkontrakte in Höhe von ca. 1,34 Billionen R$, die die Bank eingegangen ist. Der Wert ist zwar im weltweiten Vergleich gering, die Citigroup alleine hat mehr als 50$ Billionen US$ an Handelsvolumen in Terminkontrakten aufzuweisen. Speziell für BTG Pactual selbst stellt es jedoch ein ernstzunehmendes Risiko dar.

Offensichtlich sieht das die Bank ähnlich, denn neben den bisher ausschließlich Nicht-Finanzbeteiligungen wird nun auch erwogen sich von Banken zu trennen. Der erste Verkaufskandidat ist anscheinend die Schweizer Bank BSI, die BTG Pactual erst vor drei Monaten vollständig bilanziert aufgenommen hatte. Der mögliche Verkaufspreis liegt bei ca. 2 Mrd. US$, was deutlich mehr wäre, als der Kaufpreis, den BTG Pactual im Juni letzten Jahres an den vorherigen Eigentümer, die Generali Versicherung überwiesen hatte. Der Preis damals betrug 1,28 Mrd. US$.

Die Aktien von BTG Pactual gaben heute erneut um mehr als 3% nach auf 19,54 R$, nachdem sie in den letzten Tagen weitgehend stabilisiert waren. Die Anleihen von BTG Pactual liegen weiter stark im Minus. Das im Jahr 2020 fällige US$ Papier notiert aktuell bei 50% (17% Rendite p.a.).

 

Quelle Text: EXAME | Quelle Foto: BrasilToday