Die Investmentbank BTG Pactual, die seit der Verhaftung ihres Vorstandes André Esteves stark unter Druck geraten ist, kämpft um das Vertrauen der Investoren. Gleichzeitig muss sie ihre Liquiditätsposition verbessern.

 

Nach der Verhaftung ihres Vorstandsvorsitzenden André Esteves am 25.11.2015 ist die Bank BTG Pactual stark unter Druck geraten. Nachdem die Untersuchungshaft für Esteves verlängert wurde, hatte dieser bereits am Wochenende seinen Posten abgegeben. Dennoch ist das Vertrauen in die Bank nachhaltig erschüttert.

Der Aktienkurs von BTG Pactual ist seit Bekanntwerden der Verhaftung von André Esteves um mehr als 30% eingebrochen. Die zehnjährige Anleihe des Unternehmens mit Fälligkeit 2022 verlor 42,1% an Wert.

Investoren haben alleine in der letzten Woche über 5 Mrd. R$ an Einlagen aus Fonds von BTG Pactual abgezogen, was die Liquiditätsreserven der Bank stark angreifen dürfte. Noch Ende September verfügte die Bank allerdings über ein Liquiditätspolster von 40 Mrd. R$. Im Rahmen einer Routineprüfung stufte die Ratingagentur Moddy’s die Kreditwürdigkeit der BTG Pactual von Baa3 auf Ba2 herunter und damit in den Bereich der spekulativen Anlage. Auch das dürfte den Druck auf Geldabflüsse aus der Bank weiter erhöhen.

Um die Liquiditätsposition zu verbessern und auf mögliche weitere Geldabflüsse vorbereitet zu sein, wird nun erwogen, Beteiligungen der Bank zu veräußern. Außerdem soll eine Schuldverschreibung von bis zu 1 Mrd. R$ aufgelegt werden. Diese als DPGE bezeichneten Wertpapiere unterliegen dem Einlagensicherungsfond FGC (Fundo Garantidor de Crédito), die jeden Investor bis zu einer Einlage von $20 Mio. R$ absichert. Diese Absicherung kostet die Bank zusätzlich Marge, was als Zeichen gesehen kann, dass man in einer Vertrauenskrise steckt.

Kurzfristig verkauft wurde bereits den verbliebenen Anteil von 12% an der Krankenhauskette Rede D’Or an den staatlichen Investmentfond GIC aus Singapur für einen Kaufpreis zwischen 2 und 2,5 Mrd. R$. Im Mai diesen Jahres hatte der Fond bereits 16% der Kette von BTG Pactual für den Preis von 3,2 Mrd. R$ erworben.

Weiterhin zur Diskussion steht die Beteiligung am Parkhausbetreiber Estapar, dessen Wert auf 1,3 Mrd. R$ geschätzt wird und bei dem BTG Pactual Hauptaktionär ist. Bradesco und Itaú stehen zudem in Verhandlungen mit der Bank über ein Darlehen in Höhe von bis zu 4 Mrd. R$.

Beteiligungen der BTG Pactual

In den letzten Jahren hat BTG Pactual diverse Beteiligungen in unterschiedlichen Branchen erworben.Dazu zählen Unternehmen aus dem Bereich Immobilien, Öl und Energie, Gesundheit (Krankenhäuser und Apotheken), Handel und Produzenten. Der Fokus lag dabei immer auf Firmen, die in Schwierigkeiten steckten, aber die Chance hatten, durch Sanierungsmaßnahmen später wieder zu höheren Preisen verkauft werden zu können.

Die aktuell wichtiges Beteiligungen im Überblick:

  • Banco Panamericano (51%)
  • PetroÁfrica (50%)
  • BR Properties (35,9%)
  • Sete Brasil (25%)
  • Oi (3,6%)
  • Rede D’Or (verkauft)
  • Estapar
  • MMC Automotores (Mitsubishi)

Aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise Brasiliens stellt sich diese Strategie momentan jedoch als schwierig heraus. Mit PetroÁfrica und Mitsubishi sind mindestens zwei Beteiligungen vom  Korruptionsskandal um Petrobras betroffen. Der Mobilfunkanbieter Oi ist überschuldet und allein vermutlich nicht überlebensfähig. Eine Beteiligung wie Banco Panamericano möchte man zudem nur ungern einem möglichen Konkurrenten überlassen.

Offen wurde bereits über den Rückkauf der Anteile von Esteves nachgedacht, der 28,8% an BTG Pactual hält.  Durch die Entfernung von Esteves aus allen operativen und sonstigen Einflussbereichen der Bank erhofft man sich, das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen. Die vorhandenen Barmittel könnte theoretisch reichen, Esteves auszuzahlen, dessen Anteil momentan noch einen Wert von ca. 6,5 Mrd. R$ hat. Dies bedarf jedoch der Zustimmung von Esteves selbst, der diesen Vorschlag offenbar nicht sonderlich viel abgewinnen konnte. So wurde heute bekannt, dass nun eine neue Holdingstruktur aufgesetzt werden soll, in der alle Partner der Bank ihre Anteile einbringen. Diese Holding würde dann ihrerseits die Mehrheit von 80% an BTG Pactual halten, mit dem Effekt, dass Esteves keinen direkten Einfluss mehr ausüben könnte. Dieses Konstrukt bedarf jedoch der Zustimmung der Zentralbank, die bisher noch aussteht.

 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: Flickr/RL GNZLZ