Petrobras bereit den Verkauf mehrerer Kraftwerke vor, auch wenn es noch rechtliche Unklarheiten bezüglich der Betriebslizenzen gibt. Das Unternehmen ist gezwungen, sich von Vermögenswerten trennen, um die gewaltige Schuldenlast abzubauen.

 

Petrobras treibt sein De-Investitionsprogramm voran, was bereits 2015 begonnen wurde. Ziel ist, die hohe Verschuldung abzubauen, die die Handlungsfähigkeiten des Konzern stark einschränkt und die Liquidität belastet. Außerdem werden in den nächsten 2 Jahren Schuldverschreibungen zur Rückzahlung fällig. Der aktuelle Plan sieht vor, insgesamt 21 Wärmekraftwerke, Gasleitungen und Regasifizierungsterminals, die zur Umwandlung von Flüssiggas gebraucht werden, zu veräußern.
Vor dem Abschluss des Verkaufs sind jedoch noch einige rechtliche Fragen, insbesondere zur Regulierung, zu klären, wie ein Vertreter eines möglichen Investors bekannt gab. Das Gesamttransaktionsvolumen beträgt nach Schätzung von Petrobras 57,5 Mrd. US$, was in etwa 50% der Schulden des Unternehmens ausmachen würde.

Das De-Investitionsprogramm kommt jedoch eher schleppend vorn. Bisher ist es nur gelungen einen 49%igen Anteil an der Tochtergesellschaft Gaspetro für 1,9 Mrd. R$ zu verkaufen. Des weiteren gibt es Verhandlungen um den Verkauf der Tankstellenkette BR Distribuidora, Konzessionen für die Erkundung von Öl- und Gasvorkommen, ein Anteil am Petrochemieunternehmen Braskem, Düngemittelfabriken und Schiffterminals.

Damit verabschiedet sich Petrobras von der Idee, ein integrierter Energiekonzern zu sein. Stattdessen will man sich auf die Produktion von Erdöl konzentrieren. Petrobras steht damit in Konkurrenz zu ähnlichen Unternehmen weltweit, die alle durch den gefallenen Ölpreis unter Druck geraten sind. In Brasilien kommen zudem hohe regulatorische Hürden hinzu.

Um den Verkauf der Kraftwerke zu realisieren ist die Zustimmung der Nationalen Energiebehörde ANP notwendig. Ein Vertreter eines potentiellen Investors sagte, dass die Verhandlungen mit Petrobras so lange keinen Sinn machen, bis die Regierung nicht zugestimmt hat, dass ein Betreiberwechsel stattfindet. Niemand wird die Gasleitungen übernehmen, wenn Petrobras weiterhin die Kraftwerke dazu betreibt.

Die Kraftwerke im Besitz von Petrobras haben eine Gesamtleistung von 6,4 Megawatt. Die eine Hälfte dieser Anlagen befindet sich im Bundesstaat Rio de Janeiro. Die andere Hälfte ist auf 8 weitere Bundesstaaten verteilt, unter anderem im Großraum São Paulo.

Das Gasleitungsnetz umfasst mehr als 9.000 km und verläuft von der Bucht von Guanaraba in Rio de Janeiro nach Pecém im Bundesstaat Ceará. Durch die bestehenden Verbindungen zu den Schiffsterminals kann so auch unabhängig Importgas verwendet werden, was die Abhängigkeiten für den zukünftigen Betreiber reduziert.

Die Wärmekraftwerke wurden zur Zeit der Regierung Cardoso errichtet, um das Land vor einem gefürchteten Blackout im Jahr 2001 zu bewahren. Die Kraftwerke sind vor allem Back-Up Kapazitäten für Zeiten, in denen die Wasserkraftwerke aufgrund von Dürren und ausbleibenden Regenfällen nicht genug Strom produzieren können. Allerdings ist die Stromerzeugung mit Gas und Öl deutlich treuer, so dass die Anlagen nur in Notfällen betrieben werden. Zuletzt hatte die Energiebehörde ANEEL jedoch beschlossen, den Kostenzuschuss für die Betreiber zu erhöhen.

 

Quelle Text: Estado de S.Paulo | Quelle Foto: Brasiltoday

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