Petrobras, das größte Unternehmen Brasiliens, meldet einen Verlust  einen Verlust von 3,759 Mrd. R$ im dritten Quartal 2015. Nach Konzernangaben ist der Verlust auf den hohen Dollarkurs und Zinsaufwendungen zurückzuführen. Petrobras drückt eine hohe Schuldenlast. Der niedrige Ölpreis, die langwierige Aufarbeitung des Korruptionsskandal sowie kürzlich wieder aufkommende Streiks, verstärken die Probleme zusätzlich.

 

Im laufenden Jahr steht zwar immer noch ein Gewinn von 2,1 Mrd. R$ in den Büchern, das Quartalsergebnis zeigt jedoch, dass der Ölkonzern nach wie vor, mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und mit der Aufarbeitung der Vergangenheit und Neuausrichtung des Unternehmens nur schleppend vorankommt.

Im Vergleich zum Vorjahr ging der Nettogewinn auf 9-Monatsbasis um 58% zurück. Als Ursache gab das Unternehmen Währungsverluste an, die das Finanzergebnis um 5,396 Mrd. R$ gedrückt haben. Die Belastungen durch den Korruptionsskandal bezifferte das Unternehmen auf 6,2 Mrd. R$.

In den ersten beiden Quartalen 2015 hatte Petrobras jeweils noch einen Nettogewinn von 5,33 Mrd. R$ und 531 Mio. R$ erzielt. Im Vergleich zum dritten Quartal 2014, wo ein Verlust von 5,339 Mrd. R$ anfiel, bedeutet das dritte Quartal 2015 jedoch einen leichte Ergebnisverbesserung. Insgesamt war es jedoch das drittschlechteste Quartalsergebnis seit 1993. Schlechter waren bisher nur das 4. Quartal 2014 (- R 26,6 Mrd. $) und das 3. Quartal 2014 (R 5,339 Mrd. $).

Petrobras

Quelle: Economatica

 

Die Nettoverschuldung von Petrobras stieg in neun Monaten um 43% oder 402,3 Mrd. R$ an. Die Gesamtverschuldung betrug am Ende des Vorjahres 282 Mrd. R$. Laut Finanzvorstand Ivan de Souza Monteiro ist ein Schuldenabbau nur durch Verkauf von Aktiva möglich. Dazu hat Petrobras bereits einen Desinvestitionsplan vorgelegt, der bis Ende 2016 den Verkauf von Vermögenswerten in Höhe von 15,1 Mrd. US$ vorsieht. Monteiro ist optimistisch, dieses Ziel zu erreichen: „Wir sind nächste Woche zu Gesprächen im Ausland und sehen großes Interesse bei Investoren und Unternehmen auf der ganzen Welt, die Interesse zeigen, mit Petrobras zusammenzuarbeiten“.

Petrobras investierte im dritten Quartal 55,5 Mrd.R$, was ein Rückgang um 11% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bedeutet. Insgesamt plant das Unternehmen für 2015 Investitionen in Höhe von 23 Mrd. US$, das sind 2 Mrd. US$ weniger als noch im Oktober angegeben und 5 Mrd. US$ weniger als im langfristigen Businessplan 2015-2019 vorgesehen.

Petrobras Nettoergebnis

Quelle: Economatica

Das EBITDA für Q3 betrug 15,5 Mrd. R$. Im Vergleich zu 8,5 Mrd. R$ in Q3 2014 bedeutet das eine Verbesserung. Dazu beigetragen haben die höhere Gesamtproduktion von Erdöl und Erdgas. Der freie Cashflow erreichte 3,8 Mrd. R$.

„Das Unternehmen beendete das dritte Quartal mit dem gleichen Bestand an liquiden Mitteln wie am Anfang des Jahres“, sagte Mario Jorge, Geschäftsführer der Petrobras. Ende 2015 rechnet das Unternehmen mit einem Kassenbestand von mehr als 22 Mrd. R$. Laut Finanzvorstand Ivan de Souza Monteiro, hat Petrobras alle Eventualitäten für 2015 bereits berücksichtigt. Bis Ende des Jahres werde dies vorausschauend für 2016 erfolgen, so dass man in 2016 mit keinen Sonderbelastungen rechnen muss.

Die Situation von Petrobras verbessert sich laut Monteiro, aber er habe „keine Zauberstab wie Harry Potter“. Es wird parallel an vielen Stellschrauben gedreht, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Als zentrale Punkte nannte er Verringerung des Volumens der Investitionen, Senkung der Kosten und Steigerung der Produktivität.

Zu Höchstzeiten im Mai 2008 war Petrobras an der Börse 510,4 Mrd. R$ wert. Der Marktwert ist seitdem geschrumpft, in 2015 insgesamt um 15 Mrd. R$ auf 112,1 Mrd. R$. In 2014 betrugt der Marktwert noch 127 Mrd. R$.

Aktuelle Problemfelder:

1. Streik
Seit dem 29. Oktober werden Teile von Petrobras bestreikt. Bisher ist es nicht gelungen, mit den Gewerkschaften eine Einigung zu erzielen. Der Streik schien sich zuletzt jedoch abzuschwächen. Die Gewerkschaften fordern deutliche Lohnerhöhungen und wenden sich gegen den Plan des Unternehmens Teilverkäufe vorzunehmen. Stattdessen fordern sie weitere Investitionen.

2. Investitionskürzung
Inmitten der hohen Verschuldung und fallender Ölpreise kürzte Petrobras das Investitionsprogramm um 11 Mrd. US$ für 2015 und 2016 und plant mit einer Senkung der Betriebskosten um 7 Mrd. US$.  Im September verlor Petrobras sein Investmentsgrad-Rating bei Standard & Poors. Ebenso hat die Ratingagentur Moody ’s, Petrobras bereits Anfang das Jahres auf den Status spekulative Investition gesetzt und sieht aufgrund der Abwertung des Real und durch die Kürzung der Investitionen, die Fähigkeit des Unternehmens bedroht, genug Cashflow zu generieren.

3. Verluste aus Korruption
Petrobras steht immer noch im Mittelpunkt der Untersuchungen zur der Aufarbeitung des Korruptionsskandals durch die Bundespolizei. Im April hatte das Unternehmen bereits 6,194 Mrd. R$ für Strafzahlungen zurückgestellt und seine Vermögenswerte um 44,3 Mrd. R$ wertberichtigt. Nach Einschätzung der Bundespolizei könnte der Gesamtschaden für Petrobras eine Höhe von bis zu 42,8 Mrd. R$ erreichen. Petrobras bekräftigte jedoch, dass die von der Gesellschaft mit Abweichungen berechnet Schaden von 6,2 Mrd. R$ realistisch ist. „Wir haben keine weitere Informationen, die uns dazu veranlassen, dass die von uns angenommenen 6,2 Mrd. R$ falsch sind“, sagte Finanzvorstand Ivan Monteiro. Ende Juli war es Petrobras gelungen, ein Teil des veruntreuten Geldes in dreistelliger Millionenhöhe zurückzuerhalten.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: BrasilToday