Petrobras beurteilt die Auswirkungen des Streiks weniger negativ als angenommen und sieht eine weitgehende Abschwächung der Auswirkungen auf die Produktion. Die Anzahl der bestreikten Betriebsteile und Ölplattformen, die vom Streik betroffen sind, ging im Vergleich zur Vorwoche zurück. Gleichzeitig zeigte man sich verhandlungsbereit mit den Gewerkschaften.

 

Nach Angaben des Unternehmens lagen die Produktionsanfälle wegen des Streiks letzten Freitag bei 115 Mio. Barrel Öl. Anfang der Woche waren dies noch 273 Mio. Barrel Öl, was ungefähr 13% der Tagesproduktion entspricht. „Gelungen ist dies vor allem durch einen Notfallplan, der erheblich dazu beigetragen hat, die Ausfälle zu begrenzen“, sagte ein Sprecher von Petrobras.

An diesem Montag findet ein Treffen mit den Gewerkschaften statt, in eine Einigung für einen Tarifvertrag gefunden werden soll. Bereits am Freitag teilte ein Vertreter der Gewerkschaft FUP mit, dass die bestreikten Bereiche von 48 auf 45 reduziert wurden.

Die Gewerkschaften, die sich am Streik beteiligen befürchten in erster Linie einen Arbeitsplatzabbau im Zuge der geplanten Privatisierung und des Verkaufs von Unternehmensteilen in Höhe von bis zu 15 Mrd. US$ im Jahr 2016. Sie fordern darüber hinaus die Wiederaufnahme des Investitionsprogramms, was im Zuge des Korruptionsskandals und des gesunkenen Ölpreises zurückgefahren wurde. Petrobas ist hoch verschuldet und muss seine Verbindlichkeiten abbauen und restruktuieren.

Die Regierung versucht in der Zwischenzeit in dem Streik zu vermitteln und eine Lähmung der Verhandlungen zu verhindern.
Die Erwartung ist auch, dass die Gewerkschaften stärker an der Diskussion um die Ausrichtung des Unternehmens beteiligt werden, als dies unter der vorherigen Unternehmensführung der Fall war. Gewerkschaftsvertreter haben traditionell ein aktive Vertretungsrecht in Entscheidungsgremien des Unternehmens, die jedoch begrenzt ist. Da in diesem Fall jedoch grundsätzliche Fragen der Unternehmensstrategie von Petrobras zur Disposition stehen, die sich stark auf die Zukunft des Unternehmens auswirken werden, wäre es ein sinnvoller Schritt, die Gewerkschaften stärker einzubeziehen.

Beunruhigt ist die Regierung über die Auswirkungen des Streiks auf die Produktion von Petrobras, das bereits durch die Korruptionsaffäre und den Ölpreisrückgang unter Druck steht. Der von den Gewerkschaften FUP und FNP ausgeübte Druck hat bereits im Kongress die Diskussion um eine Lockerung der Regeln für die Exploration der Pre-Salt Felder angefacht. Hierzu brachte Finanzminister Joaquim Levy vor zehn Tagen die Möglichkeit einer Regeländerung ins Spiel, die auch Zustimmung beim Minister für Bergbau und Energie, Eduardo Braga, fand. Präsidentin Dilma Rousseff hat jedoch bisher ihren Widerstand gegen Veränderungen in diese Sache nicht aufgegeben.

Über den Hintergrund des landesweit ausgeweiteten Streiks wurde bereits berichtet. Ein Verbund aus Gewerkschaften fordert eine Lohnerhöhung von 18%, wogegen Petrobras bisher nur 8,11% angeboten hat. Daneben geht es um die Reduktion des staatlichen Einflusses auf das Unternehmens und dem Verkauf von Vermögenswerten, zum Abbau von Schulden. In dieses Maßnahmen sehen die Gewerkschaften eine Gefahr für die nationale Souveränität und ein Risiko für Arbeitsplätze im Unternehmen.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: BrasilToday