Der brasilianische Ölkonzern Petrobras hat seinen Investitionsplan bis 2019 um 24,5% auf 98,4 Mrd. US$ reduziert. Diese Entscheidung am gestrigen Tag hatte Einfluss auf den Ölpreis und den Wechselkurs des Real. Gleichzeitig gab das Unternehmen den Verkauf seines Anteils von 36% am Chemieunternehmen Braskem im Wert von ca. 2 Mrd. US$ bekannt.

 

Petrobras hatte bereits vor längerer Zeit eine Überarbeitung des Investitionsplan für den Zeitraum 2015-2019 und eine Desinvestitionsstrategie angekündigt. Die Maßnahmen wurden nun vom Vorstand des Unternehmens konkretisiert. Die Reduktion um 24,5% oder 32 Mrd. US$ auf 98,4 Mrd. US$ fällt jedoch überraschend hoch aus. Die Anpassungen waren vor allem notwendig, da Petrobras mit einem durchschnittlich höheren Ölpreis und günstigeren Wechselkursen gerechnet hatte. Petrobras ist hoch verschuldet und durch die Ermittlungen im Korruptionsskandal seit langem stark belastet.

In einer Erklärung teilte Petrobras mit: „Diese Anpassungen sollen die grundlegenden Ziele des Schuldenabbaus und Generierung von Mehrwert für die Aktionäre dienen, mit Blick auf das Niveau des Ölpreises und der Wechselkurse“. Zurückgefahren werden die Investitionen in die weitere Erkundung von Ölfeldern, wo statt 108,6 Mrd. US$ nur noch 80 Mrd. US$ bereitgestellt werden.
Die Investitionen in die Versorgungseinheiten wurden bereits auf 10,9 Mrd. US$ reduziert, in Gas und Energie auf 5,4 Mrd. US$ und in den übrigen Bereichen auf 2,1 Mrd. US$.

Als Ziel für die Verkäufe von Vermögenswerten im Rahmen der Desinvestitionsstrategie wurde im Plan für 2015-2016 die Summe von 15,1 Mrd. US$ ausgegeben. Davon wurden in 2015 jedoch erst 700 Mio. US$ erreicht.
Mit dem Verkauf seiner Anteile von 36% am Chemieunternehmen Braskem im Wert von ca. 2 Mrd. US$ ist man nun aber einen Schritt weiter vorangekommen. Zur Disposition stehen unter anderem das Tankenstellennetz BR Distributoria und der Verkauf von Beteiligungen an Ölfeldern.

Die Börse reagierte auf die Nachricht mit einem Abwertung der Petrobras-Aktie um fast 10% auf unter 7 R$, dem niedrigsten Kurs seit 12 Jahren.

Unternehmenssitz von Petrobras in Rio de Janeiro

Unternehmenssitz von Petrobras in Rio de Janeiro

Durch die Reduzierung der Investitionen in die Ölförderung und dem Verkauf von Vermögenswerten wird deutlich, dass die Ölproduktion des Unternehmens in der Zukunft sinken wird. Petrobras prognostiziert, dass die Fördermenge auf Tagesbasis von 2,185 Mio. Barrel in 2016 auf 2,145 Mio. Barrel sinkt und bis 2020 von 2,8 Mio. Barrel auf 2,7 Mio. Barrel. In 2015 hatte das Unternehmen mit einer Förderung von 2,128 Mio. Barrel pro Tag den geplanten Wert von 2,125 Mio. Barrel leicht überschritten.
Faktisch hat das Unternehmen in 2015 so viel Öl produziert wie nie zu vor in seiner Geschichte und das Rekordniveau von 2014 damit noch einmal übertroffen.

In den weiteren Planungen geht Petrobras für 2016 von einem Durchschnittspreis von 45 US$ für Brent aus, eine Rücknahme der Prognose von 55 US$. Für den Wechselkurs zum Dollar wurde eine Anpassung von 3,80 R$ auf 4,06 R$ vorgenommen. Das Unternehmen bekräftigte weiterhin die Bestrebungen zur Kostensenkung in der Verwaltung, zur Erhöhung der Produktivität sowie zur Verbesserung von technischen Lösungen für eine wirtschaftliche Nutzung der Pre-Sale Ölvorkommen.

In welcher Lage sich das Unternehmen befindet machen folgende Zahlen deutlich:

  • ursprünglicher Investitionsplan Zeitraum 2014-2018: 220,6 Mrd. US$ (jetzt 98,4 Mrd. US$)
  • ursprünglicher Investitionsplan vom Juni 2015 für 2015-2019: 130 Mrd. US$
  • Gesamtverschuldung Stand Q3 2015: 506,5 Mrd.R$ (ca 127 Mrd. US$)
  • Nettoverschuldung Ende 2014: 282 Mrd. R$ (jetzt 402,3 Mrd. R$)
  • drohende Strafen aus Korruptionsskandal: 44,3 Mrd. R$, davon bisher zurückgestellt 6,194 Mrd. R$
 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: BrasilToday