Der wegen eines anhaltenden Korruptionsskandals und stark gefallener Rohstoffpreise unter Druck stehende Ölkonzern Petrobras hat seine Verkaufsaktivitäten ausgeweitet, um den Schuldenabbau voranzutreiben und die Liquiditätsposition zu verbessern. Jedoch kommt der Desinvestitionsprozess nur schleppend voran.

 

Der Verkauf von Vermögenswerten ist Kern der Strategie von Petrobras, die hohe Verschuldung des Unternehmens abzubauen. Um diesen Prozess zu forcieren hat der Konzern bereits vor einiger Zeit begonnen, Investoren für einen Teil seine Ölfelder zu suchen. Da sich diese Suche jedoch als mühsam herausgestellt, werden nun zusätzlich bereits bestehende Förderanlagen in den Desinvestitionsplan aufgenommen. Dies kommt einem Strategiewechsel gleich, da Petrobras es bisher vermieden hat, Ölfelder in der Produktionsphase zu verkaufen. Bisher lag der Schwerpunkt der Verkaufsaktivitäten ausschließlich auf großen Felder in der Explorationsphase, die erst für die Zeit nach 2020 zur Förderung vorgesehen waren und noch hohe Investitionen erfordern.

Bei den neu angebotenen Feldern handelt es sich um die Reserven im Golfinho im Espirito Santo Becken, die 2012 entdeckt wurden und in Baúna im Santos-Becken, in der bereits seit 2013 Öl gefördert wird. Beide liegen im Tiefwasser, dem so genanten Post-Sal. Von Fördergebiete im sogenannten Pre-Sal, wie z.B. das Lula-Feld, die erste große Lagerstätte, die entdeckt wurde, möchte sich Petrobras weiterhin unter keinen Umständen trennen.

Nach Auskunft der Nationalen Erdöl Behörde ANP (Agência Nacional do Petróleo) gehören Golfinho und Baúna zu den 20 größten Erdölfeldern in Brasilien. Die Förderleistung betragen für Golfinho 23.000 Barrel pro Tag und für Baúna 55.000 Barrel pro Tag. Dazu im Vergleich, das Lula-Feld, das größte Fördergebiet von Erdöl in Brasilien im Pre-Sal erreicht eine Produktionsmenge von 349.000 Barrel pro Tag.

Zu Beginn der angekündigten Desinvestitionsstrategie hatte Petrobras insgesamt sechs Pakete im Gesamtwert von 4 Mrd. US$ zum Verkauf gestellt, darunter die Ölfelder von Pão de Açúcar, Sagitário, Lebre, Carcará und Júpiter (alle Pre-Sal) und Taratruga Verde (Post-Sal). Anscheinend steht nur eines der Pre-Sal Felder kurz vor dem Verkauf. Das Taratruga Verde Feld, was kurz vor Produktionsbeginn steht zog zumindest einige Kaufinteressenten an.

Vertraulichen Quellen des Unternehmens behaupten jedoch, dass es insgesamt kein Mangel an Interessenten für die bereits angebotenen Ölfelder gibt. Dennoch scheint es notwendig, etwas mehr anzubieten, um zusätzliche Investoren zu gewinnen, da der Ölpreis nach wie vor in der Nähe der Marke von 40 US$ verharrt. Verkauft werden könnten die Felder einzeln oder als Gesamtpaket.

Petrobras musste bereits eingestehen, dass der Verkaufsprozess viel langsamer erfolgt, als vom Markt erwartet. Geplant ist, dass in 2015 und 2016 13,7 Mrd. US$ an Vermögenswerten veräußert werden, davon ist bisher nur ein Bruchteil realisiert. Dies hängt auch damit zusammen, dass das Unternehmen aufgrund der Belastungen aus der Korruptionsaffäre äußerst vorsichtig agiert und zunächst auch ein großes Augenmerk auf die Verbesserung der internen Regeln und Entscheidungsprozesse wert legt.

Auf der anderen Seite muss das Unternehmen dringend damit beginnen, die hohe Verschuldung abzubauen und die Liquidität zu stärken. Der in 2015 stark entwertete Real und der Fakt, dass die Schulden in US$ fakturiert sind, macht die Lage nicht einfacher.

Petrobras versucht seit längerem bereits weitgehend erfolglos diverse Unternehmensteile zu verkaufen, darunter eine Beteiligung an seiner Tankstellenkette BR Distribuidora, den Bereich Thermoelektrik, einen Teil der TAG (Gasträger) sowie Ölfelder im Ausland.

Erfolgreich abgeschlossen konnte bisher nur der Verkauf von 49% der Gaspetro an den japanischen Mitsui Konzern für 1,9 Mrd. R$.

 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: BrasilToday