Die Regierung hat angekündigt, die Minengesellschaft Samarco, die sich im Besitz von Vale und BHP Billiton befindet, auf Schadenersatz in Höhe von 20 Mrd. R$ (5 Mrd. Euro) zu verklagen. Dies ist das Ergebnis von Einschätzungen der Umweltbehörden und einem Treffen der Zentralregierung mit den Gouverneuren der betroffenen Bundesstaaten Minas Gerais und Espirito Santo. Die Schuldfrage ist jedoch noch nicht endgültig geklärt. Ebenso bestehen unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Umweltschäden.

 

Die brasilianische Regierung und die Bundesstaaten Minas Gerais und Espirito Santo verklagen das Bergbauunternehmen Samarco auf Bereitstellung der notwendigen Ressourcen zur Wiederherstellung der durch den Dammbruch verursachten Umweltschäden. Diese werden inzwischen auf 20 Mrd. R$ (5 Mrd. Euro) geschätzt. Samarco gehört zu je 50% den Bergbaukonzernen Vale und BHP Billiton.

Dies ist das Ergebnis eines Treffens zwischen Präsidentin Dilma Rousseff mit den Gouverneuren des Bundesstaates Minas Gerais, Fernando Pimentel, und des Bundesstaates Espirito Santo, Paul Hartung. Bekanntgegeben wurde die Maßnahme am Freitag durch Umweltministerin Izabella Teixeira und den Generalstaatsanwalt Luis Inacio Adams.

Nach Angaben von Adams ist das Ziel, einen Fonds aus Mitteln der Unternehmen einzurichten, mit dem die Folgen der Schlammlawine zu beseitigen. Insbesondere geht es um die Revitalisierung des Flusses Rio Doce und Schadensersatzansprüche der betroffenen Menschen in dem Gebiet. Der Fonds soll durch Ratenzahlung der Unternehmen aus dem Cashflow erfolgen, gestreckt über den Zeitraum von 10 Jahren.

Gleichzeitig sollen die Unternehmen einen Plan vorlegen, wie die Beseitigung der Umweltschäden erfolgen wird. Sofern dies nicht geschieht, werde der Staat einen Maßnahmenkatalog erarbeiten, der dann gerichtlich kontrolliert von den Unternehmen umzusetzen sei.

Nach Einschätzung der Umweltministerin Izabella Teixeira wird die Beseitigung der Schäden mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen. Eine Kontrolle und Überwachung der Schadstoffgrenzwerte im Boden werde mindestens 25 Jahre zu erfolgen haben. Teixeira wörtlich: „Wir sehen, dass dies die größte Umweltkatastrophe ist, die Brasilien jemals gelebt hat. Es ist keine Naturkatastrophe. Es ist eine Katastrophe, die durch wirtschaftliche Aktivitäten verursacht wurde, wenngleich ihre Auswirkungen mit einer Naturkatastrophe verglichen werden können.“.

Zur Bemessung der Entschädigungsforderung stützt sich die Regierung auf Gutachten der Umweltbehörde IBAMA, der ANA (Agência Nacional de Águas) und dem ICMBio (Instituto Chico Mendes de Conservação da Biodiversidade).

Durch den Dammbruch ergossen sich etwa 62 Mio. Kubikmeter Schlamm aus Bergbauabraum in die Region Mariana (MG) und flossen in den Fluss Rio Doce und von dort weiter bis zur Flußmündung im Bundeststaat Espirito Santo wo der Schlamm schließlich in den Atlantik gelangte. Bei der Katastrophe starben bisher neun Menschen, weitere zehn Menschen werden seitdem vermisst, 4 Leichen konnte noch nicht identifiziert werden. Die vollständige Kontamination des Rio Doce tötete auch mindestens 9 Tonnen Fisch. Die Schlammflut verwüstet auch die Siedlungen um Bento Rodrigues und hat Auswirkungen auf die Wasserversorgung der Städte entlang des Rio Doce, geschätzt leben hier hunderttausende Personen.

FischsterbenSamarco

Fischsterben im Rio Dolce

Die Aktien von Vale gaben am heutigen Montag weiter nach und belasteten auch den Börsenindex. Zwischenzeitlich fiel der Wert auf das neue Allzeittief von 12,60 R$ bevor sich der Wert wieder Richtung Schlusskurs vom Freitag erholte.

Noch sind die Ursachen des Dammbruchs nicht geklärt. Vermutet wird, dass eventuell ein Erdbeben die Katastrophe ausgelöst hat. Paulo Rosman, Professor für Ingenieurwesen an der COPPE-UFRJ in Rio de Janeiro äußerte in einem Interview mit der BBC eine andere Auffassung bezüglich der Wiederherstellung der aufgetretenen Umweltschäden. Seiner Meinung nach wird es lediglich 5 Monate, bis zum Ende der Regenzeit im April, dauern, bis sich der Fluss Rio Doce vollständig erholt hat. Die Verschmutzung des Atlantik durch den ins Meer geflossenen Schlamm, der sich auf bis zu 10.000 m2 ausdehnt hat, sieht Rosman ebenso mit weniger Sorgen, da sich das Material innerhalb weniger Tage weitgehend auflösen bzw. vermischen wird.

Nach seiner Auffassung muss man eine Unterscheidung der Umweltschäden und deren Behebung vornehmen. Im Bereich des Dammbruchs, in der Nähe der Siedlungen von Bento Rodrigues, wird es ungefähr ein Jahr dauern, bis die Aufräum- und Säuberungsarbeiten abgeschlossen sind und ein Wiederaufforstungsprogramm beginnen kann. Dies Kosten für diese Maßnahmen bezeichnete Rosman aus Unternehmenssicht allerdings als relativ unbedeutend. Die größten Schaden ist ohne Frage die Kontamination des Flusses Rio Doce. Gegenwärtig ist der Fluss biologisch tot. Rosman geht jedoch davon aus, dass die Regenzeit dazu führt, dass der Fluss innerhalb von fünf Monaten wieder rein gewaschen wird und die Fische zurückkehren werden. Ebenso sieht er die Verschmutzung des Atlantik unkritisch, da die Partikel sich auf einer großen Fläche verteilen werden. Ende Januar wird von dem brauen Schlamm nichts mehr zu erkennen sein, so Rosman.

Gleichzeitig übte Rosman scharfe Kritik am Vorgehen der Regierung in dieser Umweltkatastrophe. Er hält es für unverantwortlich, dass zugelassen wird, dass die Menschen in die betroffenen Gebiete zurückkehren und dass nicht untersucht wird, welche anderen ähnlichen Dämme möglicherweise in Gefahr sind, z.B. durch mögliche Erdbeben und Menschen von dort umgesiedelt werden.

Das gesamte Interview von Paulo Rosman mit der BBC kann hier nachgelesen werden.

Der australische Minenbetreiber BHP Billiton hat unterdessen seine Bereitschaft bekräftigt, sich an der Beseitigung der Umweltschäden und dem Wiederaufbau der Region zu beteiligen. Eine konkrete Maßnahme oder eine Entschädigungssumme nannte der Konzern jedoch nicht. Auch die Aktien des australischen Minenunternehmen sind seit Bekanntwerden der Umweltkatastrophe am 5. November unter Druck. Der Kurs fiel seitdem um 23,50% auf 18,09 AU$.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: BrasilToday