Der brasilianische Ölkonzern Petrobras hat das Geschäftsjahr 2015 mit einem Nettoverlust von 34,836 Mrd. R$ abgeschlossen. Das ist der größte Jahresverlust der Geschichte des Unternehmens. Bereits 2014 fiel ein Verlust in Höhe von 21,587 Mrd. R$ an. Zurückzuführen sind die Verluste auf hohe Abschreibungen auf Vermögenswerte und den zurückgehenden Erträgen aufgrund des Ölpreisverfalls und dem gegenüber dem Dollar gefallenen Real.

 

Der Präsident von Petrobras Aldemir Bendine kommentierte das Ergebnis so:“Das Unternehmen zeigt erneut seine die Transparenz auf dem Weg zurück zur Glaubwürdigkeit“. Die Jahresbilanz 2014 war erst mit großer Verzögerung vorgelegt wurden, da die Prüfungsgesellschaft aufgrund der Ermittlungen im Zuge der Korruptionsaffäre zunächst Zweifel angemeldet hatte. Hinter den tatsächlichen Kosten und hinreichenden Rückstellungen für drohende Strafen steht allerdings nach wie vor ein Fragezeichen.

Der aktuelle Jahresabschluss ist der erste in der Verantwortung von Bendine, der im Februar 2015 den Vorsitz der Gesellschaft von Grace Foster übernommen hatte, die aufgrund der Ermittlungen zur Korruptionsaffäre zurückgetreten war.

Petrobras führt den Rekordverlust auf notwendige Abschreibungen bei Vermögenswerten und Beteiligungen zurück. Weiterhin dazu beigetragen hat der weiter gefallene Ölpreis, gestiegene Zinsen und die Abstufung der Kreditwürdigkeit Brasiliens, die die Refinanzierung des Unternehmens verteuert haben. So betrug der Umsatzrückgang aufgrund des Preisverfalls des Öls insgesamt 5%. Außerdem verloren die Vermögenswerte durch die Abwertung des Real gegenüber dem Dollar einen bilanziellen Wert von 47,6 Mrd. R$.

Die höchsten Abschreibungen mit 33,7 Mrd. R$ wurde bei den Öl- und Gasfeldern vorgenommen. Bereits im Jahr 2014 hatte Petrobras eine Wertberichtigung von 44,3 Mrd. R$ in diesem Segment vorgenommen. Ursache dafür war eine teilweise Neubewertung von Projekten sowie die massive Fehlplanung und Fehleinschätzung von Comperj, einem Raffineriekomplex in Rio de Janeiro.

Die Hauptgründe für die Abschreibungen sind die niedrigen Erwartungen an die langfristige Entwicklung des Ölpreises.
Mário Jorge da Silva aus dem Petrobras Leitungsgremium sagte dazu:“ Ohne diese Wertminderung aufgrund der bekannten Risiken hätte das Unternehmen einen Nettogewinn von 13,6 Mrd. R$ erzielt. Diese Wertminderungen haben Folgen für die Bilanz, aber nicht für den Kassenbestand des Unternehmens. Diese Abschreibungen können bei einer besser als erwarteten Entwicklung auch wieder korrigiert werden.

Der Nettoverlust im 4. Quartal betrug 36,938 Mrd. R$, nachdem im 3. Quartal bereits ein Verlust von 3,759 Mrd. R$ angefallen war. Die ersten beiden Quartale des Jahres 2015 wurden jeweils mit einem Gewinn von 3,759 Mrd. R$ und 0,531 Mrd. R$ abgeschlossen. Im 4. Quartal 2014 betrug der Verlust 26,6 Mrd. R$.

Gewinn/Verlust pro Quartal

Gewinn/Verlust pro Quartal

Der Rückgang des Ölpreises schlug sich voll auf das finanzielle Ergebnis von Petrobras durch. Im Vergleich zum Dezember 2014 stieg die Nettoverschuldung um 39%, maßgeblich auch bestimmt durch den Verfall des Real um 47% gegenüber dem Dollar. Die Nettoverschuldung betrug Ende 2014 282 Mrd. R$ und stieg bis September 2015 auf 402,3 Mrd. R$ an. Ende Dezember 2015 waren es in Summe 391,9 Mrd. R$. In Dollar gerechnet ging die Verschuldung jedoch um 5% gegenüber dem Vorjahr auf 100,379 Mrd. US$ zurück.

Bendine merkte dazu an:“Wir haben ein negativen Rechnungsergebnis, aber wir haben auch ein positives operatives Ergebnis. Nach 8 Jahren konnten wir wieder einen positiven CashFlow erzielen, den Verwaltungsaufwand reduzieren und die Nettoverschuldung abbauen.

Das Ergebnis überraschte letztendlich die Analysten, die nach dem bis zum 3. Quartal positiven Ergebnis von 2,102 Mrd. R$ auf das Gesamtjahr gesehen mit einem Nettogewinn von 4 Mrd. R$ gerechnet hatten. Die hohen Abschreibungen gerade im letzten Quartal vorzunehmen bezeichnete ein Finanzmarktexperte als ungewöhnlich.

Petrobras muss sich auf zwei Dinge konzentrieren. Einerseits die drückende Schuldenlast abbauen und anderseits weitere Anpassungen vornehmen, um auf den Ölpreisverfall zu reagieren. Hierzu gab das Unternehmen bekannt,für den Zeitraum 2015 bis 2019 die Investitionen um 24,5% oder 98,4 Mrd. US$ zu reduzieren. Weiterhin will sich Petrobras in 2016 sich weiter von Vermögenswerten zu trennen. Nachdem in 2015 nur Verkäufe von 700 Mio. US$ realisiert wurden, soll der Erlös auf 15,1 Mrd. US$ in 2016 steigen.

Einer Dividende erteilte der Vorstandsvorsitzende eine Absage.

Ölproduktion
Im Jahr 2015 erreichte Petrobras eine durchschnittliche Ölproduktion von 2,128 Mio. Barrel pro Tag, was einen neuen Rekord bedeutet. Für 2016 ist allerdings die Prognose, dass die Produktion von aktuell 2,185 Mio. Barrel auf 2,145 Mio. Barrel sinkt. Für das Jahr 2020 hat das Unternehmen die Prognose von 2,8 Millionen Barrel auf 2,7 Millionen Barrel pro Tag gesenkt.

Projekt Comperj
Der Beginn der Nutzung des Comperj Komplexes in Itaboraí (RJ) wurde erneut verschoben auf das Jahr 2023, aufgrund von Schwierigkeiten neue Partner für Projekt zu finden, der die für die Durchführung der Arbeiten erforderlichen Investitionen trägt. Bisher hat Petrobras für den Bau der Anlage 14 Mrd. US$ ausgegeben und 5,3 Mrd. R$ bereits wieder abgeschrieben.

Aktienkursentwicklung
Im Jahresverlauf haben die Vorzugsaktien 33% an Wert verloren, die Stammaktien 10,64%. Der Marktwert des Unternehmens ging von 261 Mrd. R$ auf 101,3 Mrd. R$ zurück. Im Februar und März 2016 legte der Aktienkurs jedoch deutlich zu. Der Marktwert von Petrobras stieg auf 122 Mrd. R$. Das ist immer noch weit von den Höchstkursen im Jahr 2008 entfernt, wo das Unternehmen mit 510,3 Mrd. R$ bewertet wurde.

Lava Jato
Durch die Korruptionsaffäre und die nachfolgenden Ermittlungen von Lava Jato hatte Petrobas bereits eine Rückstellung von 6,194 Mrd. R$ gebildet und den Wert seiner Aktiva um 44,3 Mrd. R$ reduziert. Ob die Rückstellung ausreichen wird, ist jedoch noch unklar, da die Ermittlung weiterhin andauern. Nach internen Akten von Lava Jato betragen die erreichen die festgestellte Unregelmäßigkeiten einen Wert von bis zu 42,8 Mrd. R$. Allerdings wurden auf der anderen Seite 139 Mio. R$ für Petrobas und 2,9 Mrd. R$ für den Staat von schwarzen Konto zurückgewonnen.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: BrasilToday