Der brasilianische Bergbaukonzern Vale trennt sich von seiner Minderheitsbeteiligung am Stahlwerk CSA, das sich nun vollständig im Besitz von ThyssenKrupp befindet. Der Kaufpreis beträgt symbolisch 1 US$. Bereits vor kurzem hatte sich Vale auf ähnliche Weise von einer australischen Minenbeteiligung getrennt.

 

Aus Sicht von Vale handelt es sich um eine Bereinigung des eigenen Portfolio’s von unrentablen Projekten und einer Fokusierung auf seine Kerntätigkeit im Bereich Bergbau. Der Anteil am der Stahlwerk CSA (Companhia Siderúrgica do Atlântico) betrug zuletzt 26,87%. Das Werk was im Industriegebiet von Santa Cruz im Bundesstaat Rio de Janeiro liegt, war von einem Konsortium unter Führung des deutschen Unternehmens ThyssenKrupp errichtet wurden und sollte pro Jahr bis zu 5 Mio. Tonnen Stahl herstellen.

Das Projekt hatte sich jedoch zu einem Desaster für alle Beteiligten entwickelt, weil die Baukosten von ursprünglich geplanten 2 Mrd. US$ auf über 10 Mrd. US$ explodiert waren und es beim Bau zu etlichen Verzögerungen gekommen war. Zuletzt hatte der stark gefallene Rohstoffpreis und die eingebrochene Nachfrage nach Stahl jede Rentabilitätsrechnung zu Nichte gemacht.

Der nun abgeschlossene Deal sieht neben einem symbolischen Kaufpreis auch die Teilübernahme der Schulden von CSA durch Vale vor. Zu Ende 2015 betrugen diese 2,6 Mrd. Euro. Vale selbst geht jedoch davon aus, dass die Transaktion „keine wesentlichen Auswirkungen auf die Finanzergebnisse haben wird“.

Außerdem wurde eine Earn-Out-Klausel beschlossen, die Vale eine Beteiligung an einem möglichen Verkaufserlös für einen bestimmten Zeitraum zusichert, sofern ThyssenKrupp das Stahlwerk oder ein Teil davon an einen Dritten weiterveräußert. Damit endet das Kapitel Vale und CSA. Ausstehend sind jedoch noch die Genehmigung des Verwaltungsrates und der Wettbewerbsbehörde.

Für ThyssenKrupp geht die Geschichte einer missglückten Auslandsinvestition jedoch weiter. Durch die Komplettübernahme gewinnt man nun jedoch mehr Entscheidungsfreiheit für die Sanierung und Optimierung der Produktionsstätte und möglicherweise der Suche nach einem Investor.

Companhia Siderúrgica do Atlântico (CSA) in Santa Cruz (Rio de Janeiro)

Companhia Siderúrgica do Atlântico (CSA) in Santa Cruz (Rio de Janeiro)

Zuletzt hatte die gesunkenen Stahlpreise bei gestiegenen Produktionskosten, einer hohen Inflation, Wechselkurschwankungen und politischer Instabilität in Brasilien zu einer hohen Belastung für die Produktionsstätte geführt. Allein in den letzten zwölf Monaten hat CSA fast 400 Mio. Euro Verlust angehäuft.

Die Errichtung des Stahlwerks wurde auf politischen Druck hin errichtet, um die Wertschöpfungsaktivitäten Brasiliens über die reine Rohstoffgewinnung hinaus auszudehnen. Im Jahr 2009 wurde Vale unter Führung der Regierungspartei PT unter Druck gesetzt, seinen Anteil von anfänglich 10% an CSA aufzustocken, nachdem zahlreiche Projektverzögerungen und ausufernde Kosten zu beklagen waren. Eröffnet wurde das Stahlwerk schließlich 2010.

Seit Produktionsbeginn gab es jedoch weiter Schwierigkeiten. Durch Fehler in der Produktionslinie ging ein Rußregen über Santa Cruz nieder. Anwohner beschwerten sich massiv über die Verschmutzung und die Umweltbehörde verhängte ein Bußgeld in Millionenhöhe. Inzwischen scheinen die Produktionsprozesse jedoch weitgehend im Griff.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: BrasilToday