Die Arbeitslosigkeit in den sechs wichtigsten Ballungszentren Brasiliens ist im Oktober auf 7,9% gestiegen. Das teilte die nationale Statistikbehörde IBGE am Donnerstag mit. Dies kann als Indikator gesehen werden, dass die Wirtschaft Brasiliens weiter durch eine Rezessive Phase geht und auf der Stelle tritt. Positive Impulse für den Arbeitsmarkt fehlen momentan.

 

Noch im September hatte die Arbeitslosenquote für die wichtigen Metropolregionen von São Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Salvador, Recife und Porto Alegre bei 7,6% gelegen. Nachdem der Indikator seit August stabil geblieben war, erfolgte nun ein Anstieg um 0,3 Prozent, was gleichzeitig den höchsten Stand für einen Oktober seit 8 Jahren bedeutet. Im Jahr 2007 betrug die Arbeitslosenquote in diesem Monat 8,7%. Um vergangen Jahr lag die Rate im Oktober bei 4,7%.

„Normalerweise ist der Oktober ein Monat, in dem sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangsamt. Dies ist in diesem Jahr nicht der Fall, auch wenn der Anstieg um 0,3 Prozentpunkte statistisch nicht signifikant ist“, sagte der technische Direktorin der IBGE, Adriana Beringuy.

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Quelle: IBGE

Die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt lag bei 22,4 Millionen. Ein Rückgang um 1% gegenüber dem September. Innerhalb eines Monats haben damit 230.000 Menschen ihre Arbeit verloren. Ein höhere Anzahl an Beschäftigten wurde zuletzt im Juli 2011 mit 22,5 Millionen Erwerbstätigen erreicht. Innerhalb eines Jahres haben insgesamt 825.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, ein Rückgang um 3,5% zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Die Zahl der als arbeitssuchend registrierten Arbeitslosen betrug im Oktober 1,9 Mio. Menschen, ein Anstieg um 3,2% im Vergleich zum September. Innerhalb eines Jahre stieg diese Zahl um 67,5% oder 771.000 Personen an.

Das IBGE rechnet weiterhin mit eine Abbau von Arbeitsplätzen und dem Rückgang der Beschäftigung, die zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote führen wird. Dazu tragen bei, das weiterhin wirtschaftlich schwache Umfeld in Industrie, Baugewerbe und in der Dienstleistungsbranche. Der Rückgang der Einkommen, die hohe Inflation und Zinsen, tragen zu dieser Entwicklung bei.

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Quelle: IBGE

São Paulo und Belo Horizonte waren die Bundesstaaten mit dem höchsten Verlust an Arbeitsplätzen von September bis Oktober 2015. Betroffen waren vor allem Arbeitsplätzen in der Industrie und im Handel. Die Arbeitslosigkeit in São Paulo betrug im Oktober 8,1% verbunden mit einem Verlust von 65.000 Arbeitsplätzen. Auf das Jahr gesehen gingen hier bereits 120.000 Jobs verloren. In Belo Horizonte stieg die Quote auf 6,9%, eine Veränderung von 0,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat. 27.000 Arbeitsplätze gingen hier im Oktober verloren.

Laut IBGE ist die Arbeitslosigkeit sektorübergreifend und nicht auf eine Branche begrenzt. Besonders Arbeitsplätze abgebaut hat jedoch der Bergbau mit einem Verlust von 75.000 Stellen innerhalb eines Jahres. Junge Menschen sind am stärksten von der Arbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenquote der 18 bis 24 Jährigen betrug im Oktober 19,5%. Ein Anstieg um 1,1 Prozent gegenüber dem September und ein Anstieg von 7,7 Prozent gegenüber dem Oktober des Vorjahrs. Adriana Beringuy sagte: „Aufgrund ihrer geringeren Qualifikation haben junge Menschen es schwierig den Einstieg in eine Beschäftigung zu finden und wenn ihnen das gelingt finden sie sich auf Positionen wieder, die am schnellsten wieder abgebaut werden.“

Die Entwicklung des durchschnittlichen Realeinkommens war leicht negativ und ging im Oktober zum Vormonat von 2.194,71 R$ auf 2.181,20 R$ zurück.

 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: Flickr/brasilemfolhas