Seit den Tiefstständen um 38.000 Punkte hat sich der Brasilianische Aktienindex IBOVESPA kontinuierlich erholt. Gestern legte der Index um 4% auf 43.250 Punkte zu. Diese Entwicklung macht Mut, dass das Tal der Rezession langsam durchschritten wird.

 

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Zum einen deutet sich eine Erholung der Rohstoffpreise an, die vor allem für den Ölproduzenten Petrobras, den Bergbaukonzern Vale und Stahlproduzenten Relevanz haben. Vor allem Petrobras und Vale haben eine hohe Gewichtung im IBOVESPA Index.

Zum anderen trat nun eine neue Ermittlungsphase im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal um Petrobras in Kraft, die sich nun immer stärker auf das Umfeld von Präsidentin Dilma Rousseff konzentrieren. Das nährte die Hoffnung von Investoren, dass das bereits laufende Amtsenthebungsverfahren gegen die Präsidentin zum Erfolg führen könnte.

Der IBOVESPA stieg auf breiter Basis, wobei die Aktien von Petrobras (+14,10%) und Vale (+10,73%) mit am stärksten zulegten. Dabei half auch die Einschätzung der internationalen Energiebehörde AIE, dass sich der Ölpreis im Jahr 2017 wieder auf ein deutlich höheres Niveau einpendeln werde. Das Barrel der Sorte WTI stieg daraufhin um 6,2% auf 31,48 US$. In der letzten Woche hatten bereits wichtige Produzenten wie Russland und Saudi Arabien signalisiert, die Fördermenge zu begrenzen, um einem weiteren Preisverfall von Erdöl entgegen zu wirken.

Ein weiterer Impuls für steigende Rohstoffpreise kam von der Zentralbank in China, die einen Wechsel an der Vorstandsspitze vorgenommen hat. Investoren sehen dies als Signal für eine Reform des Finanzmarktes, der durch das Platzen einer Spekulationsblase im letzten Jahr beschädigt wurde. Die Hoffnung besteht, dass es keine weitere Abwertung des Yuang geben wird. Dies führte auch wieder zu steigenden Rohstoffpreisen. Stahl verteuerte sich um 7% auf 50,30 US$ pro Tonne.

Daneben verdichten sich die ausgeweiteten Ermittlungen im Rahmen der Operation Lava Jato, deren Ziel die Aufarbeitung des Korruptionsskandels um Petrobras ist. Verhaftet wurde nun João Santana, Mitglied der Regierungspartei PT und hauptverantwortlicher Wahlkampfmanager für Ex-Präsident Lula da Silva und Dilma Rousseff. Santana wird verdächtigt illegale Spendengelder des Baukonzerns Odebrecht angenommen zu haben. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen wäre dies ein weiterer Punkt für das Amtsenthebungsverfahren gegen Dilma Rousseff. Dieses hatte nach Ankündigung der Freigabe der Ermittlung durch den Präsidenten des Kongresses Eduardo Cunha an Kraft verloren. In der Allgemeinheit wurde bereits angezweifelt, dass dieses Verfahren zum Erfolg führen könnte.

Der Markt favorisiert dagegen eine Amtsenthebung der Präsidentin als möglichen Weg aus der Krise mit hoher Inflation und schrumpfender Wirtschaft. Auch das sich für 2016 auftuende Haushaltsloch von  60 Mrd. R$ beunruhigt die Börse.

 

Quelle Text: Valor | Quelle Foto: BrasilToday