Die Stimmung ist schlecht. Die Erwartungshaltung der Ökonomen wurde erneut nach unten korrigiert. Die Börse testet neue Tiefststände. Eine längere Durststrecke steht bevor. 

 

Nachdem führende Ökonomen gestern ihre Einschätzung für die wirtschaftliche Entwicklung überarbeitet und ihren ohnehin pessimistischen Ausblick deutlich nach unten korrigiert haben, veröffentlichte heute die Banco Itaú ihre Prognose, die nochmals schlechter ausfällt. Nach Meinung der Bankexperten schrumpft die Wirtschaft Brasiliens in diesem Jahr um 3,7%. Die Inflationsrate auf das Gesamtjahr gesehen erreicht 10,5%. Auch für das kommende Jahr bleibt die Bank  pessimistisch und passte ihre Prognose dementsprechend an.

Banco Itaú Prognose Wirtschaftsentwicklung

 BIPInflation (IPCA)DollarkursLeitzins (Selic)
Prognose 2015 bisher-3,2%10,5%4,00 R$14,25%
Prognose 2015 neu-3,7%10,5%4,00 R$14,25%
Prognose 2016 bisher-2,5%7%4,50 R$14,25%
Prognose 2016 neu-2,8%6,8%4,50 R$14,25%

Man muss lange zurückgehen, um sich an eine ähnliche Situation in Brasilien zu erinnern. 1993 war das letzte Jahr, wo ein stärkerer Rückgang des BIP verzeichnet wurde. Jedoch, zwei Jahre mit negativem Wirtschaftswachstum in Folge, das gab es noch nie seit Beginn der Erfassung im Jahr 1948. Der führende Chef-Ökonom der Banco Itaú, Ilan Goldfain, sagte denn auch: „2015 wird als besonders schwieriges Jahr, dass lange in Erinnerung bleiben wird.“

Börsenentwicklung

Der Börsenindex BOVESPA fiel heute um 1,85% auf 44.387 Punkte  und damit auf den tiefsten Stand seit 2009. Zu den größten Verlierern mit gehörten dabei die Aktien des Shoppingmallbetreibers BRMalls , des Metallurgiekonzern Gerdau und der Rohstoffproduzent Vale, mit je 4-5% Tagesverlust.

Wenn man sich die bisherigen Gewinner und Verliere des Börsenjahres anschaut, dann sieht man, die Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung. Verloren haben Rohstoffproduzenten, verarbeitendes Gewerbe, Konsumwerte und auf Import von Vorleistungen angewiesene Unternehmen. Auf der Gewinnerseite stehen vor allem stark im Export tätige Unternehmen. Dass der IBOVESPA Index insgesamt seit Jahresanfang von 50.004 Punkten um 12% nachgegeben hat, liegt vor allem daran, dass die Indexschwergewichte auf der Verliererseite stehen.

Top Performer Aktien 2015 IBOVESPA

Klabin SA67,32%
Suzano Papel65,85%
Fibria56,84%
Raia Drogasil 55,60%
Braskem 51,35%
Hypermarcas 45,09%
Energias BR37,57%
Equatorial Energia28,87%
Ultrapar24,02%
Embraer20,24%

Under Performer Aktien 2015 IBOVESPA

Cemig-52,27%
Pão de Açúcar-52,02%
Vale-49,87%
CESP-48,76%
Vale-44,83%
Gerdau-44,79%
Qualicorp-43,93%
TIM Participações-39,42%
Estacio Part-30,93%
Localiza-30,18%

Ausblick

Die schlechte Stimmung wird Brasilien wohl mit in das neue Jahr nehmen. Die Aufarbeitung des Petrobras Skandals der letztendlich indirekt in einem Amtsenthebungsverfahren gegen die Präsidentin Dilma Rousseff ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat, wird das Land auch 2016 weiter beschäftigen. Politische Stabilität ist eine wichtige Voraussetzung, um der Wirtschaft die Unsicherheit zu nehmen. Außerdem muss die Regierung das entstandene Haushaltsloch schließen und ein Budget für 2016 verabschieden, was mit den vorhandenen Mitteln auskommt. Hierzu werden auch Steuererhöhungen erwartet sowie Kürzungen im Sozialbereich, die negative Effekt auf das Wirtschaftswachstum nach sich ziehen können. Der weiteren Entwicklung der Inflation und damit einhergehend des Leitzinses kommt eine große Bedeutung zu. Eine Zinssenkung, die aktuell zwar nicht erwartet, aber theoretisch bei sinkendem Preisindex möglich wäre, würde Anreize für Investitionstätigkeiten setzen. Ein hoher Dollarkurs bietet Chancen für die Exportindustrie und könnte zumindest einen Teilbereich der Industrie Auftrieb verleihen. Anderseits haben Kernunternehmen Brasiliens wie Petrobras und Vale mit massiven Problemen durch fallende Rohstoffpreise zu kämpfen als auch mit Auswirkungen des Korruptionsskandals im Falle von Petrobras und einer Umweltkatastrophe im Falle von Vale.

Nach dem Katastrophenjahr 2015 wird 2016 weitgehend im Zeichen von Aufräumarbeiten stehen. Ein tatsächliche Verbesserung der Lage ist wohl erst im Jahr 2017 zu erwarten.

 

Quelle Text: Infomoney | Quelle Foto: BrasilToday