Der Zikavirus beherrscht gegenwärtig die Schlagzeilen, vor allem durch das vermehrte Auftreten von Mißbildungen bei Säuglingen. Wissenschaftler können den Zusammenhang noch nicht bestätigen. Brasilien schickt seine Armee in den Kampf gegen Moskitos, die für die Verbreitung des Virus verantwortlich gemacht werden.

 

In Brasiliens sind in kurzer Zeit mehr als 4.000 Fälle von Mikrozephalie bei Säuglingen aufgetreten, die mehreren Dutzend Fällen bereits zum Tod geführt haben. Mikrozephalie bezeichnet eine Missbildung des Kopfes, der im Vergleich zu der Kopfgröße eines gesunden Menschen deutlich kleiner ist. Damit einhergehend sind schwere geistige Behinderungen durch Unterentwicklung des Gehirns.

Das plötzlich vermehrt auftretende Krankheitsbild wird in Zusammenhang mit dem Zika Virus gebracht. Dieser verursacht das sogenannte Zikafieber, was mit Hautauschlag einhergeht. Vergleichbar ist der Krankheitsverlauf mit dem bereits in Südamerika weit verbreiteten Dengue-Fieber. Die Übertragung findet durch die bekannte Moskitoart Aedes aegypti statt, die sich ausgehend von Tropengebieten Afrikas weltweit immer weiter ausbreitet.
Gegen den Zikavirus gibt es weder Medikamente noch präventive Impfmöglichkeiten. Allerdings ist der Krankheitsverlauf für einen normal gesunden Menschen nicht tödlich. Entdeckt wurde der Zikvirus bereits 1947 in tropischen Ländern Afrikas, wo er weitgehend isoliert blieb. Bis 2007 sind nur wenige Krankheitsfälle verzeichnet. Anschließend kam es jedoch zu größeren Ausbrüchen in Afrika.

Nun wird vermutet, dass durch die intensive Reisetätigkeit während der Fussball WM 2014 das Virus den Weg nach Brasilien und auch Salvador gefunden haben, wo es in 2015 zu vermehrten Erkrankungen mit Symptomen des Zikafiebers kam. Der Zikavirus gilt auch als Auslöser der Mikrozephalie, wobei hier noch der wissenschaftliche Nachweis fehlt. Danach arbeiten jedoch aktuell mehrere Wissenschaftler, unter anderem Andrew Haddow der Enkel von Alexander Haddow, dem Entdecker des Zika Virus 1947. Erste Projektionen deuten jedoch auf einen Zusammenhang hin, was ein bedrohliches Signal wäre, da sich der Zika Virus inzwischen bereits in 20 brasilianischen Bundesstaaten ausgebreitet hat.

Brasilien mit seinem teilweise tropischen Klima verfügt über fast ideale Bedingungen für die Ausbreitung der Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die in den vergangenen Jahrzehnten bereits zwei Mal als ausgerottet galt. Die Verbreitung von Dengue-Fieber, dessen Virus ebenfalls von der Aedes aegypti übertragen wird, zeigen jedoch seit Jahren ansteigende Zahlen.

So gab es laut Gesundheitsministerium im Jahr 1990 40.000 Fälle von Dengue, im Jahr 2000 bereits 135.000 Fälle und im Jahr 2010 1.000.000 Fälle, im Jahr 2015 sollen es sogar bereits 1,5 Millionen Fälle gewesen sein. Über 800 Menschen starben im Zusammenhang mit der Erkrankung.

Den sprunghafte Anstieg ist erklärt, dass der Körper der Brasilianer nicht auf den Virus vorbereitet ist und keine körpereigenen Schutzmechanismus gibt. Haddow warnte vor den Folgen und der Entwicklung zu einer Epidemie. Der Zusammenhang mit Mikrozephalie bei Säuglingen muss noch viel stärker untersucht werden. Auch wies er darauf hin, dass es vermutlich bereits mehr Fälle mit Zika Virus gäbe als angenommen, da es durch die Ähnlichkeit der Symptome zum Dengue-Fieber zu vielen Fehldiagnosen komme.

Der Epidemiologe Jane Messina, von der Oxford Universität, Co-Autor einer Studie von 2013 über die Gefahr der Verbreitung von Dengue in Brasilien sagte zum Thema Zika: „Die Ausbreitung von Zika ist vermutlich die gleiche wie die von Dengue. Aber noch ist es zu früh zu spekulieren, da wir noch nicht so viel über den Virus wissen.“ Sie fügte weiter an, dass es auch noch keine ausreichenden Belege für den Zusammenhang von Zika und Mikrozephalie gibt. „Einfachen Lösungen existieren nicht. Die Reduktion der Mückenpopulation ist das sinnvollste, was man aktuell tun kann. Genauso müssen die Richtlinien der internationalen und nationalen Gesundheitsbehörden befolgt werden, um die Risiken einer weiteren Ausbreitung zu minimieren.“

Die brasilianische Regierung hat inzwischen bereits die Armee aktiviert und 200.000 Soldaten in den Kampf gegen die Gelbfiebermücke geschickt. Sie sollen in betroffenen Gebieten alle Häuser mit Desinfektionsmitteln behandeln.

Ein Vertreter des Butantan Institutes, was sich mit der Erforschung des Zikavirus beschäftigt sagte: „Das Virus ist sehr neu in Brasilien. Die Mehrheit der Bevölkerung ist nicht immun gegen Zika. Die Voraussetzungen für eine Verbreitung des Virus sind leider sehr gut. Dadurch sehen wir die schnelle Verbreitung im ganzen Land und in Südamerika.“ Erschwerend kommt hinzu, dass noch wenig über den Virus bekannt ist, z.B. ob es Personen gibt, die gegen den Virus immun sind oder ob es Mutationen des Virus gibt.

Weiterhin weisst der Butantan Forscher darauf hin, dass es aktuell nicht möglich, einen definitiven direkten Zusammenhang zwischen den Fällen von Mikrozephalie und dem Zika-Virus herzustellen. Er sagte: „Die Hypothese ist sehr stark, aber es gibt noch keine wissenschaftlichen Belege.

Andrew Haddow lobte die Bemühungen Brasiliens zum Kampf gegen Aedes aegypti, einschließlich der Mobilisierung der Armee. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sagte er: „Meiner Meinung nach haben die brasilianischen Behörden, schnell regiert, wenn man sieht, wie Zika in den letzten Jahrzehnten weitgehend ignoriert wurde. Was wir jetzt tun können, ist, die Chancen für eine Ansteckung zu verringern.“ Er glaube weiterhin nicht, dass die Olympischen Spiele nun als „gefährdet“ eingestuft werden müssen. „Die Leute reisen auch zu Orten, an denen Moskitos schwere Krankheiten wie Malaria übertragen. Es gibt Viren auch anderswo in der Welt. Der Zika Ausbruch zeigt jedoch, wie Globalisierung und der Klimawandel Bedingungen für die Verbreitung von Krankheiten auf der ganzen Welt schaffen“,so Haddow.

 

Quelle Text: BBC Brasil | Quelle Foto: Copyright GloboNews