Die Ratingagentur Moody’s hat Brasilien auf die Liste der mit Abwertung bedrohten Länder gesetzt. Damit droht der Ramschstatus für brasilianische Anleihen. Finanzminister Levy reagiert nicht überrascht und führt Ursachen für diese Entwicklung an.

 

Nachdem Standard&Poor’s Brasiliens Kreditwürdigkeit bereits auf den Ramsch-Status gesetzt hat, droht nun auch Moody’s mit diesem Schritt. Finanzminister Levy hat diese Entwicklung bereits vorhergesehen. Dementsprechend kühl viel sein Kommentar aus: „Die Herabstufung durch Moody’s reflektiert die Realität von Brasilien. Wenn die Wirtschaft in Unordnung ist, wenn es keine politische Einheit gibt, dann sind die Ergebnisse entsprechend.“ Gleichzeitig versicherte Levy, dass die Regierung die drohende Abstufung ernst nimmt.

Die Ratingagentur Moody’s hatte das Land auf die Beobachtungsliste für einen drohende Herabstufung gesetzt. Damit ist es wahrscheinlicher geworden, dass innerhalb der nächsten drei Monate eine Abwertung ansteht. Brasilien befindet sich damit in der gleichen Stufe der Risikoabschätzung wie Russland, Namibia oder Indonesien.

Für Levy ist zumindest oberflächlich klar, was zu tun ist. Die Politik muss zu einer Einheit zurückfinden und Reformen müssen umgesetzt werden. Vor allem die Pensionsausgaben belasten den Staatshaushalt. Das Mindesteintrittsalter für Rentner und die Mindestbeitragszeiten sollten erhöht werden, um diesem Ziel näher zu kommen. „Statt zu diskutieren, ob wir herab- oder heraufgestuft werden, sollten wir uns besser darum kümmern, aus der Sackgasse zu kommen“, sagte Levy auf einem Bankenkongress der FEBRABAN.

An die Adresse des Notenbankpräsidenten Alexandre Tombini gerichtet fügte Levy an: „Es ist wichtig die Verschuldung Brasiliens im Blick zu haben. Mit einem stabilen politischen Situation wäre die Auslandsverschuldung des Landes weit unproblematischer.“

Für den Präsidenten von der Bank Bradesco, Luiz Trabuco, wäre es hingegen sehr wichtig, eine erneuete Herabstufung durch Moody ’s zu vermeiden, auch wenn er davon ausgeht, dass die tatsächliche Auswirkung für Brasilien gering bleibt.

Risikoklassifizierung

Moody’s fügte als Begründung für seine verschlechterte Risikoeinschätzung an, dass man besorgt sei um die weitere Entwicklung der wirtschaftlichen und auch steuerlichen Rahmenbedingungen im Land, die sich aktuell verschlechtern und es wenig wahrscheinlich machen, dass sich das Land in den nächsten zwei bis drei Jahren erholt. Die instabile Regierungsführung und das durch Fiskalanpassungen verschlechterte ökonomische Umfeld, sind weitere Faktoren, die bei der Einschätzung der Ratingagentur eine Rolle gespielt haben.

Die tatsächliche Entscheidung über eine weitere Abstufung fällt innerhalb der nächsten drei Monate. Moddy’s hatte Brasilien bereits im August diesen Jahres auf die letzte Stufe des „Investment Grad“ herabgesetzt.

Kreditwürdigkeit Einschätzung der Ratingagenturen

Moody'sStandard & Poor'sFitch RatingsRating-Einschätzung
AaaAAAAAAPrime (Triple A)
Aa1AA+AA+High grade
Aa2AAAAHigh grade
Aa3AA-AA-High grade
A1A+A-1Upper Medium grade
A2AAUpper Medium grade
A3P-2A-Upper Medium grade
Baa1BBB+BBB+Lower Medium grade
Baa2P-3BBBLower Medium grade
Baa3BBB- BBB-Lower Medium grade
Ba1 BB+ FahneBrasilien_KleinBB+ FahneBrasilien_KleinNon Investmentgrade
speculative
Ba2 FahneBrasilien_KleinBBBBNon Investmentgrade
speculative
Ba3BB- BB-Non Investmentgrade
speculative
B1B+B+Highly Speculative
B2BBHighly Speculative
B3B-B-Highly Speculative
Caa1CCC+CSubstantial risks
Caa2CCCCCExtremely speculative
Caa3CCC-CCIn default with little
prospect for recovery
CaCCCIn default with little
prospect for recovery
CaCCIn default with little
prospect for recovery
CSDRDIn default
DDDIn default
aktualisiert: Februar 2016

 

Die Agentur wörtlich: „Die Indikatoren fallen weiter, ohne ein klares Zeichen für eine Bodenbildung. Ab stärksten betroffen sind steuerliche und wirtschaftliche Zielgrößen. Diese werden entscheidend sein, bei der Bewertung einer weiteren Abwertung.“

Um das aktuell Ranking zu behalten, muss Brasilien auf einen Wachstumspfad zurückkehren und einen BIP von +2% erreichen sowie einen Primärüberschuss in ähnlicher Größenordnung auch nach 2016 erzielen. „Es ist jedoch kaum zu erwarten, dass dies bereits 2016 gelingt“, merkte ein Vertreter von Moody’s.

Levy sieht hingegen in 2015 ein „atypisches Jahr“, in dem sich die wirtschaftliche Lage zunehmend immer weiter verschlechtert hat. Er sieht jedoch auch wichtige Fortschritte bei der Kontrolle der Staatsfinanzen, obwohl sich ein Überschuss von 48 Mrd. R$ durch hohe Sozialausgaben in ein Defizit gewandelt hat. Die Reform der Rentensysteme hat für ihn daher eine hohe Priorität.

 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: Flickr/Agência Brasil Fotografias