Der Schweizer Investor Acron zieht sich voraussichtlich vom Kauf des Hotel Gloria in Rio de Janeiro zurück wie die Zeitung Folha de São Paulo erfahren haben will. Eike Batista scheint weiter an einen Verkauf zu glauben, hat aber selbst anscheinend das Interesse an dem Hotel verloren.

 

Vor zwei Jahren hatte der Schweizer Fond, der sich auf Immobilienentwicklung konzentriert mit dem aktuellen Eigentümer, Eike Batista, eine Absichtserklärung zur Übernahme des Hotels geschlossen. Diese scheint nun hinfällig zu sein, da sich Acron sowohl vom Hotelinvestment als auch aus Brasilien zurückziehen möchte.  Nach Recherchen von Folha de S.Paulo sind die Verkaufsverhandlungen seit längerem ins Stocken geraten.

Nachdem die Unternehmensgruppe um Eike Batista 2013 in Schwierigkeiten geraten ist, liegen die Renovierungsarbeiten an einem der traditionsreichsten Hotels in Rio de Janeiro brach. Der Investor Acron begründete seinen möglichen Ausstieg mit der anhaltenden Wirtschaftskrise Brasiliens, den Auswirkungen der Probleme der Ölindustrie auf Rio sowie eines angeblichen Desinteresse von Eike Batista an der Entwicklung des Hotels. So hat Batista angeblich die für den Verkaufsprozess notwendigen Zertifikate nicht vorgelegt, was den Zeitplan für dien Verkaufsprozess stark verzögert hat.

Offiziell kommentierte Acron die Situation nicht. Eike Batista ließ über seinen Anwalt Sergio Bermudes mitteilen, dass nach seiner Einschätzung die Schweizer weiterhin am Erwerb des Hotels Gloria interessiert sind, aber es Gespräche gibt, die auch den Abbruch des Verkaufsprozesses zum Inhalt haben. Bermudes wörtlich: „Wir sind in Gesprächen bezüglich einer Vertragsänderung, die auch zur Folge haben können, dass das Geschäft nicht stattfindet“.

Das Hotel Gloria wurde 1929 eröffnet. Im Jahr 2008 übernahm Eike Batista das Hotel von der REX Immobilien, was zur EBX Gruppe gehört, für 80 Mio. R$. Damals war die Idee mit der Renovierung des Gloria eine Revitalisierung von Rio anzustossen. Das Gebäudeinnere sollte vollkommen neu aufgebaut und nur die Fassade erhalten bleiben. Ursprünglich war das Ziel, das Hotel zur Fußballweltmeisterschaft 2014  neu zu eröffnen.

Historische Luftaufnahme vom Hotel Gloria - Rio de Janeiro

Historische Luftaufnahme vom Hotel Gloria – Rio de Janeiro

Die Krise der Unternehmensgruppe von Eike Batista machte diesen Plänen aber einen Strich durch die Rechnung. Im Februar 2014 kündigte Batista den Verkauf des Hotels für 225 Mio. R$ an Acron an, um es  mit Ziel Eröffnung zu den olympischen Spielen 2016 fertig zu stellen. Dabei spielten auch Steueranreize der Stadt eine Rolle, die nun aber nicht mehr genutzt werden können.

Momentan patroliert nur ein Sicherheitsdienst am Eingang. Zuletzt geriet das Gloria in die Schlagzeilen, als sich Anwohner über eine Mückenplage beschwerten, die vom der Gebäudekomplex ausging. Die aedes agypti genannte Stechmücke, bekannt für Übertragung des Dengue-Fieber und Zika-Virus, hatte sich anscheinend in der Hotelruine eingenistet.

Eike Batista hatte sich in den letzten Monaten nicht mehr zur Zukunft des Hotel Glorias geäußert. Zuletzt sprach er im Juni vergangenen Jahres über den Plan, die rumreiche Zeit des Hotels wieder auferstehen zu lassen. Gleichzeitig versprach er jedoch nicht, dies noch vor den olympischen Spielen der Fall sein wird. Inzwischen ist es auch praktisch nicht mehr möglich. Ob sich in absehbarer Zeit angesichts der Wirtschaftsprobleme Brasiliens und eines fehlenden internationalen Großereignisses vergleichbar mit Fußballweltmeisterschaft oder Olympische Spiele ein neuer Investor findet, scheint mehr als fraglich.

 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: Ricardo Borges/FolhaPress