Die Ratingagentur Fitch hat am heutigen Mittwoch die Kreditwürdigkeit Brasiliens von BBB- auf BB+ abgestuft. Damit folgt Fitch Standard & Poors, die die Anleihen des Landes bereits im September auf den Status spekulativ gesetzt hatten.

 

Im Rahmen der Bewertung legte Fitch gleichzeitig den Ausblick auf negativ fest, was bedeutet, dass Brasilien in den kommenden Monaten mit einer weiteren Abwertung rechnen muss, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht verbessern sollten.

Als Begründung führte Fitch die sich über den Erwartungen befindenden verfestigten Rezession, die politischen Unsicherheiten sowie die finanzpolitisch eingeschränkten Möglichkeiten, die Wirtschaft zu stabilisieren und die Verschuldung abzubauen.

Ein Vertreter der Ratingagentur sagte: “Der negative Ausblick spiegelt die anhaltende Unsicherheit und die Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung wider, bezogen auf fiskalische Steuerung als auch auf politische Maßnahmen. Die Situation innerhalb Brasiliens hat sich verschlechtert, und stellt nun eine noch größere Herausforderung für die Regierung dar, die richtigen Schritten einzuleiten und das Vertrauen wiederherzustellen und den Ausblick auf Wirtschaftswachstum, Haushaltskonsolidierung und Schuldenstabilisierung zu verbessern.”

Nach der Bekanntgabe der Abwertung durch Fitch wertete der Dollar um 1,47% auf 3,951 R$ auf. Weitere Auswirkungen dürfte die Abwertung auf Investoren, insbesondere Investment- und Pensionsfonds haben, deren Regeln eine stärkere Risikoabsicherung oder sogar das Verbot von Anlagen in Länder mit der Einschätzung spekulativ vorsehen. Da nun bereits zwei Ratingagenturen diesen Status für Brasilien veröffentlich haben, steigt der Druck, sich von diesen Investitionen zu trennen. Als weitere Negativfaktor steigen die Kosten der Schuldenaufnahme. Ein höheres Risiko muss mit einem höheren Zinssatz für die Gläubiger von Staatsanleihen bezahlt werden.

Fitch hatte bereits im Oktober, aufgrund der höheren staatliche Kreditaufnahme, den gestiegenen Herausforderungen für die Haushaltskonsolidierung und der allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Wachstumsaussichten, das Rating auf den untersten Punkt des Investitionsgrades herabgesetzt und bereits angedeutet, dass eine weitere Abwertung wahrscheinlich ist, sollte sich die Lage nicht grundlegend verbessern.

Die erneute Abstufung kommt daher nicht überraschend. Letzte Woche hatte Finanzminister Levy sich eher gelassen gezeigt und die Auswirkungen der drohende Abwertung der Ratingagenturen relativiert.

Reaktionen

Die Reaktion der Regierung auf die Abwertung fiel daher auch relativ verhalten aus. Levy sagte wörtlich: „Ich habe Vertrauen, dass die brasilianische Wirtschaft in der Lage ist, zu einem Wachstumszyklus zurückkehren. Trotz der Konjunkturindikatoren und der aktuelle Unsicherheit verfügt die brasilianische Wirtschaft über positive und solide Grundlagen.“

Momentan ist man dabei, die bestehenden Haushaltsungleichgewichte zu korrigieren und das Budget für 2016 so robust zu gestalten, dass eine weitere öffentliche Verschuldung vermieden wird, um das Vertrauen der Märkte wieder herzustellen. Levy schätzt den Verlust des Investitionsgrades durchaus als ernst ein. Es ist klar dass Brasilien handeln und die bereits besprochenen Maßnahmen umsetzen muss.

Die Zentralbank hat ebenfalls zur Abwertung Stellung genommen. In einer Erklärung sagte ein Vertreter:”Die Herabstufung hat für uns nicht die allgemein dramatisierte Bedeutung. Die makroökonomischen Anpassungen sind bereits in der Umsetzung und erste konkrete Ergebnisse sichtbar. Die Konsolidierung des Haushalts wird weiter vorangehen. Ebenso ist die Reduktion der Inflation in 2016 ein wichtiges Ziel. Diese Faktoren werden entscheidend sein für die Erholung der Wirtschaft”.
Weiterhin wies die Banco Central darauf hin, dass Brasilien über eine robuste Liquidität verfügt, um Marktschwankungen auszugleichen.

Die Herabstufung von Fitch folgte genau eine Woche, nachdem Moody den Hinweis auf eine bevorstehende Abstufung bekanntgegeben hat. Moody’s ist die letzte der drei großen Ratingagenturen, die bisher noch am Investitionsstatus für Brasilien festhält. Standard & Poors hatte Brasiliens bereits im September auf den Status spekulativ gesetzt.

Kreditwürdigkeit Einschätzung der Ratingagenturen

Moody'sStandard & Poor'sFitch RatingsRating-Einschätzung
AaaAAAAAAPrime (Triple A)
Aa1AA+AA+High grade
Aa2AAAAHigh grade
Aa3AA-AA-High grade
A1A+A-1Upper Medium grade
A2AAUpper Medium grade
A3P-2A-Upper Medium grade
Baa1BBB+BBB+Lower Medium grade
Baa2P-3BBBLower Medium grade
Baa3BBB- BBB-Lower Medium grade
Ba1 BB+ FahneBrasilien_KleinBB+ FahneBrasilien_KleinNon Investmentgrade
speculative
Ba2 FahneBrasilien_KleinBBBBNon Investmentgrade
speculative
Ba3BB- BB-Non Investmentgrade
speculative
B1B+B+Highly Speculative
B2BBHighly Speculative
B3B-B-Highly Speculative
Caa1CCC+CSubstantial risks
Caa2CCCCCExtremely speculative
Caa3CCC-CCIn default with little
prospect for recovery
CaCCCIn default with little
prospect for recovery
CaCCIn default with little
prospect for recovery
CSDRDIn default
DDDIn default
aktualisiert: Februar 2016

Ausblick

Fitch Ratings rechnet weiterhin mit einer schrumpfenden Wirtschaft für 2016 mit einem erwarteten Rückgang des BIP um 2,5%. Shelly Shetty, Direktorin von Fitch Ratings Brasil geht davon aus, dass das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr -1,0% des BIP erreicht und die Gesamtverschuldung des Landes auf 70% des BIP ansteigen wird.

 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: Flickr/Gideon Benari