Die Ratingagentur Fitch Ratings, die bereits die Kreditwürdigkeit von 12 Schwellenländer mit hohem Anteil an Rohstoffexporten, herabgestuft hat, behält einen negativen Ausblick für Brasilien und sieht das Land weiter anfällig für eine Abwertung in 2016.

 

Fitch Ratings sieht ebenso eine weitere Welle von Herabstufungen von Schwellenländern im nächsten Jahr auf sich zukommen. Insbesondere im Fokus stehen Brasilien mit einer Abwertung Richtung „spekulativ“ sowie Länder in Afrika und im Nahen Osten mit einer Einschätzung „negativer Ausblick“. Dies sagte der Chefanalyst der Agentur James McCormack in einem Interview.

Das Hauptproblem ist die Verbindung von niedrigen Rohstoffpreisen mit einem schwachen globalen Wachstum. Die bevorstehende Anhebung der Zinsen in den USA kann zudem zu einer weiteren Bedrohung für die Entwicklungsländer werden, weil es Anreize für Kapitalabflüsse setzt.

Die Einschätzung „negativer Ausblick“ hat Fitch Ratings in diesem Jahr bisher an 12 Länder vergeben. 14 Länder, darunter prominente Namen wie Brasilien, Russland, Südafrika und Nigeria, stehen auf der Beobachtungsliste unter „negativer Ausblick“.  Im nächsten Jahr könnte sich also die Entwicklung von diesem Jahr wiederholen.

Oktober zeigte sich die Ratingagentur besorgt über die steigende Schuldenlast des Landes. Die Bonität Brasiliens wurde auf „BBB-“ abgesenkt, der letzten Stufe vor dem Absinken in den Bereich „Spekulative Anlagen“. Nachdem Standard & Poor’s diesen Schritt bereits vollzogen hat, sind nun alle Augen auf Fitch Ratings gerichtet, wann der Zeitpunkt gekommen ist, dass die Ratingagentur mit ihrer Einschätzung nachzieht. „Das Thema wird uns auch im nächsten Jahr begleiten“, meinte dazu McCormack.

Bereits im September hatte Standard & Poor’s seine Rating für Brasilien von „BBB-“ auf „BB+“ abgesenkt und damit das Land in den „Spekulativen Bereich“ verschoben und den Ausblick weiter auf negativ gesetzt, um zu signalisieren, dass die Kreditwürdigkeit Brasiliens weiter absinken kann. Nach Berechnungen von JP Morgan hat dieser Schritt zu einer Vernichtung von rund 20 Mrd. US$ an Vermögen in brasilianischen Wertpapieren geführt.

„Brasilien scheint aktuell sehr schwach und bedroht (den Investment-Grade) zu verlieren“, sagte McCormack. Die Schuldenlast und die fehlende Haushaltskonsolidierung sind besorgniserregend. „Wir werden uns am Anfang 2016 wieder mit Brasilien auseinandersetzen und prüfen, wie die Dinge sich entwickelt haben und wie wir den weiteren Ausblick einschätzen. Seit der letzten Herabstufung im Oktober hat sich leider noch nicht wirklich etwas verbessert“, meinte McCormack.

Wenn der Dollar aufgrund der Zinsanhebung in den USA weiter steigt, hat das auch Auswirkungen auf  die Bewertung von Schwellenländer. „Historisch gesehen gibt es keinen Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Einstufung und den Zinssätzen der US-Notenbank. Aber es gibt eine Verbindung von Dollar und der Bewertung der Schwellenländer.“, merkte McCormack an.

Kreditwürdigkeit Einschätzung der Ratingagenturen

Moody'sStandard & Poor'sFitch RatingsRating-Einschätzung
AaaAAAAAAPrime (Triple A)
Aa1AA+AA+High grade
Aa2AAAAHigh grade
Aa3AA-AA-High grade
A1A+A-1Upper Medium grade
A2AAUpper Medium grade
A3P-2A-Upper Medium grade
Baa1BBB+BBB+Lower Medium grade
Baa2P-3BBBLower Medium grade
Baa3BBB- BBB-Lower Medium grade
Ba1 BB+ FahneBrasilien_KleinBB+ FahneBrasilien_KleinNon Investmentgrade
speculative
Ba2 FahneBrasilien_KleinBBBBNon Investmentgrade
speculative
Ba3BB- BB-Non Investmentgrade
speculative
B1B+B+Highly Speculative
B2BBHighly Speculative
B3B-B-Highly Speculative
Caa1CCC+CSubstantial risks
Caa2CCCCCExtremely speculative
Caa3CCC-CCIn default with little
prospect for recovery
CaCCCIn default with little
prospect for recovery
CaCCIn default with little
prospect for recovery
CSDRDIn default
DDDIn default
aktualisiert: Februar 2016
 

Quelle Text: Veja | Quelle Foto: BrasilToday