Der Immobilienmarkt in Brasilien ist 2015 in eine Krise geraten. Die Zahl der Verkäufe und neu angekündigten Bauprojekte fiel auf den niedrigsten Stand seit 2004. Die Zahl der Beschäftigten in der Bauindustrie ging ebenfalls zurück auf den niedrigsten Stand seit 2008. Das Vertrauen Marktteilnehmer befindet sich auf dem niedrigsten Niveau seit 2010.

 

Die Krise scheint sehr verfestigt. Es wird lange dauern, bis sich der Markt wieder erholen wird. Da die Bau- und Investitionstätigkeit stark nachgelassen hat, werden die Auswirkungen besonders zu spüren sein, wenn die Nachfrage aufgrund eines besseren wirtschaftlichen Umfeldes und gestiegener Eikommen wieder anziehen wird. Dann werden vermutlich nicht genügend Angebote verfügbar sein, was zu starken Preisanstiegen bei Immobilienverkäufen führen kann. Dieses Szenario wird voraussichtlich aber 2016 noch nicht eintreten.

Die Boomjahre 2011 und 2012 liegen inzwischen weit zurück. In dieser Zeit gab es ausgelöst durch eine robuste Wirtschaftsentwicklung, guten Finanzierungsmöglichkeiten eine extrem hohes Angebot an verfügbaren Baugrundstücken und intensiver Bautätigkeit. Solch ein ideale Kombination von Begleitumständen die sich so positiv für die Branche auswirken, wird es wohl nicht so schnell wieder geben, meinte Ana Maria Castelo, die ein Untersuchungsprojekt zum Immobilienmarkt geleitet hat. Eduardo Schaeffer, Präsident von Zap, dem größten Immobilienportal Brasiliens sagte: „Wir waren damals im Himmel und heute in einem perfekten Sturm“.

Die Krise in Zahlen

Die Situation im Immobilienmarkt lässt sich gut an Zahlen festmachen. In 2015 ging die Zahl der neu auf den Markt gebrachten Objekte um 31% zurück und erreichte damit ein Niveau wie zuletzt in den 1990er Jahren. Die Immobilienentwickler haben inzwischen auf die Marktlage reagiert und konzentrieren sich aktuell auf preisgünstige Immobilien und Marktnischen. Projekte werden erst gestartet, wenn sicher ist, dass sich ein Verkauf realisieren lässt.

Die Nachfrage ist jedoch nach wie vor schwach. Es fehlt an Käufervertrauen und an Möglichkeiten von günstigen Finanzierungsangeboten. Sollte sich Situation ändern, wird es schnell zu Engpässen kommen, da der Markt nur sehr langsam reagieren kann. Wenn Unternehmen heute Projekte nicht realisieren oder in die Zukunft verschieben, dann kann es vier bis fünf Jahre dauern, bis sich die Situation wieder normalisiert.

Zurückgegangen sind auch die großen Preissprünge der vergangenen Jahre. So lag der Anstieg bei den Immobilienpreisen in 2015 gerade einmal noch bei 1,32%. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate bedeutet das real sogar einen Rückgang um mehr als 8%.

In allen 20 Städten, in denen die Preisentwicklung beobachtet, war dieser Entwicklung zu verzeichnen. Der mittlere Quadratmeterpreis lag bei 7.613 R$, wobei es regional deutliche Unterschiede gibt. Am teuersten ist nach wie vor Rio de Janeiro mit durchschnittlich 10.438 $R pro 2, gefolgt von Sao Paulo mit 8.619 R$.

Also Folge der Krise ist es bereits zu zahlreichen Entlassungen im Baugewerbe gekommen. Dies wird den Markt nach Meinung einiger Experten ebenfalls stark beeinflussen. Das Klima der Unsicherheit ist groß. Viele Unternehmen sind gezwungen qualifizierte Mitarbeiter zu entlassen. Das Beschäftigungsniveau in der Bauwirtschaft fiel im Jahr 2015 um 11%. Seit 2014 sin in diesem Sektor mehr als 780.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Der Index für Investorenvertrauen im Baugewerbe ging in 2015 um 19 Punkte auf 68,9 Punkte zurück. Aktuell herrscht bei den Unternehmen weiterhin großer Pessimismus vor, was die kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung betrifft.

 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: Flickr/Jorge Brazil