In einer Rede anlässlich der Industriekonferenz (ENAI) in Brasilia sprach der ehemalige Präsident der Zentralbank Henrique Meirelles über die allgemeine Lage Brasiliens und den Ausblick für die Zukunft.

 

„Man darf Brasilien nicht nur auf kurze Sicht sehen, sondern muss Mittel und Maßnahmen ergreifen, das dem Land mittelfristig wieder auf einen Wachstumspfad führt“: sagte Meirelles.

Für 2016 erwartet der Markt eine Inflationsrate von 6,3% und ein Bruttoinlandsprodukt zwischen -0,5% und -3%.  „Die langfristigen Entscheidungen, die getroffen werden sind mit der negativen Wahrnehmung verbunden, dass das Land sich langfristigen schlechter entwickelt“, merkte Meirelles an. Dabei ist Brasilien in einer besseren Position also vor 20 Jahren, mit einem Markt in der Größe von Frankreich oder Italien und wirtschaftlich starken Unternehmen.

Meirelles wörtlich: „Wir haben jetzt eine robuste Wirtschaftsstruktur, ohne dass wir die Probleme unterschätzen sollten, vor denen wir stehen. Auf der anderen Seite öffnet die Abwertung des Real die internationalen Märkte. Natürlich werden die Exporte nicht über Nacht wieder zunehmen. Das ist einrelativ zeitaufwendiger Prozess, der seine Zeit braucht.“. Der ehemalige Präsident der Zentralbank wies weiter darauf hin, dass das Land über eine starke Justiz und über eine Pressefreiheit verfügt und über ausgereifte Institutionen. Die kontrollierte Inflation, Währungsreserven von 370 Mrd. US$ und die Anpassung der Leistungsbilanz sind Beispiele für eine solide Wirtschaftsstruktur.

Die Steuer- und Abgabenlast in Brasilien ist hoch und auf ähnlichem Niveau wie von weiter entwickelten Ländern.  Meirelles: „Also wie ist die Steuerfrage zu lösen?. Mit einer Kürzung der öffentlichen Ausgaben. Wenn wir auf längere Sicht schauen, müssen wir dieses Thema angehen. Das gute dabei ist, dass wir ähnliche Situationen in der Vergangenheit, z.B. Anfang der 1980er Jahre, bereits erfolgreich gelöst haben.“.

Ein weiterer Punkt sind die Energiekosten. Meirelles: „Es ist einer der entscheidenden Faktoren für Wachstum auf lange Sicht“.  Meirelles wies darauf hin, dass die Verbilligung der Energie in den Vereinigten Staaten mit dem Aufkommen von Fracking, zeigt, dass diese Aufgabe noch dringlicher ist. Meirelles: „Es war davor undenkbar, dass die petrochemische Industrie der USA eine Wiedergeburt erlebt.“

Meirelles zufolge sind auch die Verbesserungen der Infrastruktur und die Qualität der Bildung von entscheidender Bedeutung, um die Wettbewerbsfähigkeit auf lange Sicht zu steigern. Er sprach über die Notwendigkeit von mehr Freiheitsgraden: „Wir müssen den freien Wettbewerb und das Unternehmertun stärken, ohne die Aussicht auf eine bestimmte Rendite, gibt es keinen Anreiz zu investieren.“

Abschließend sagte Meirelles: Es gibt keinen Grund zu Defätismus. Das Land hat die Kraft und die Voraussetzungen, in den letzten 20 Jahren geschaffen, die dazu beitragen, dass wir tatsächlich eine nachhaltige Wachstumsrate erzielen können“.

 


Quelle Text: Valor | Quelle Foto: Flickr/Friends of Europe