Als letzte der drei großen Ratingagenturen hat Moody’s die Kreditwürdigkeit von Brasilien auf Spekulativ gesetzt und damit außerhalb einer Investitionsempfehlung. Vorher hatten bereits Standard & Poor’s im September 2015 und Fitch im Dezember 2015 Brasilien den Investitionsgrad aberkannt.

 

Die Abstufung von Moody’s erfolgte um zwei Stufen von Baa3 auf Ba2. Gleichzeitig setzte Moody’s den Ausblick auf Negativ, was bedeutet, dass die Ratingagentur mit einer weiteren Verschlechterung der Bonität in den nächsten Monaten rechnet.

Bereits im Dezember 2015 hatte Moody’s die jetzt erfolgte Abwertung angedeutet, als es Brasilien auf den Beobachtungsstatus gesetzt und die Perspektive von Stabil auf Negativ gesenkt hatte. Den Schritt der Abwertung begründete die Ratingagentur mit dem verschlechterten Ausblick der Haushaltsentwicklung Brasiliens mit voraussichtlich geringem Wachstum und steigender Verschuldung, die in den nächsten drei Jahren auf 80% des Bruttoinlandsproduktes anwachsen könnte.

Gleichzeitig verwies Moody’s auf die unsichere politische Lage, die ein notwendige Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen erschwert. Ein Vertreter von Moody’s sagte: „Die schwache Verfassung der Präsidentin und ihrer Regierung bietet kaum Perspektive für großangelegte Reformen für die nächste Zeit“.

Die Beibehaltung des negativen Ausblicks verdeutlicht das hohe Risiko einer weiterhin nur sehr langsam vollzogenen Konsolidierung und Erholung der Wirtschaft, wobei das Auftreten von zusätzlichen verschlechternden Ereignissen möglich ist, was zusätzliche Unsicherheit über die weiteren Auswirkungen der Wirtschaftskrise und dem Verschuldungsgrades des Landes erzeugt.

Sämtliche Indikatoren, die Moody’s zur Analyse der Kreditwürdigkeit heranzieht, haben sich verschlechtert und könnten sich die nächsten drei Jahre weiter verschlechtern aufgrund der Intensität der wirtschaftlichen Krise Brasiliens, in der es an staatlichem Handeln fehlt, die Reformziele zu erreichen und den Haushalt zu sanieren.

Moody’s rechnet für den Zeitraum 2016-2018 durchschnittlich mit einem negativen Wachstum von 0,5%. Eine Verbesserung der Kreditwürdigkeit hält die Ratingagentur für unwahrscheinlich. Diese Einschätzung könnte sich nur ändern, wenn die Regierung die wirtschaftlichen Ungleichgewichte beseitigt, d.h. die Finanzlage verbessert und die Verschuldung zurückfährt.

Möglich ist dies mit Strukturreformen und der Erreichung des Ziels eines ausgeglichenen Haushaltes, trotz sinkender Einnahmen. Auf der anderen Seite könnte eine weitere Verschlechterung der Indikatoren zu einer weiteren Abwertung führen, insbesondere, wenn die brasilianische Regierung nicht in der Lage ist, die Finanzen zu konsolidieren und das wirtschaftliche Ungleichgewicht nicht beseitigt wird und die Verschuldung weiter ansteigt.

Zuletzt aufgewertet wurde Brasilien im April 2008 während der zweiten Amtszeit von Lula da Silva. Hier hatte zunächst Standard & Poor’s und anschließend Fitch (im Mai 2008) und danach Moody’s (im September 2009) den Investitionsstatus für Brasilien vergeben. Diese Zeiten liegen mittlerweile allerdings weit zurück. Inzwischen befindet sich das Land bereits in der zweiten Amtszeit von Dilma Rousseff, die nun allerdings immer weiter unter Druck gerät.

Kreditwürdigkeit Einschätzung der Ratingagenturen

Moody'sStandard & Poor'sFitch RatingsRating-Einschätzung
AaaAAAAAAPrime (Triple A)
Aa1AA+AA+High grade
Aa2AAAAHigh grade
Aa3AA-AA-High grade
A1A+A-1Upper Medium grade
A2AAUpper Medium grade
A3P-2A-Upper Medium grade
Baa1BBB+BBB+Lower Medium grade
Baa2P-3BBBLower Medium grade
Baa3BBB- BBB-Lower Medium grade
Ba1 BB+ FahneBrasilien_KleinBB+ FahneBrasilien_KleinNon Investmentgrade
speculative
Ba2 FahneBrasilien_KleinBBBBNon Investmentgrade
speculative
Ba3BB- BB-Non Investmentgrade
speculative
B1B+B+Highly Speculative
B2BBHighly Speculative
B3B-B-Highly Speculative
Caa1CCC+CSubstantial risks
Caa2CCCCCExtremely speculative
Caa3CCC-CCIn default with little
prospect for recovery
CaCCCIn default with little
prospect for recovery
CaCCIn default with little
prospect for recovery
CSDRDIn default
DDDIn default
aktualisiert: Februar 2016
 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: BrasilToday