Die Mordrate im Bundesstaat São Paulo ist im Jahr 2015 auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten zurückgegangen. Die Zahl der Tötungsdelikte mit Mordabsicht im Bezug zur Einwohnerzahl fiel damit zum ersten Mal unter den Schwellwert, der von der Regierung und internationalen Organisation wie der UN als Epidemie bezeichnet wird.

 

Der Index lag nach neustes Erhebungen des Ministeriums für öffentliche Sicherheit im Jahr 2015 bei 8,73 Morden pro 100.000 Einwohnern, ein Rückgang um ca. ein Drittel im Vergleich zu 2014, wo die Mordrate bei 10,06 lag. Damit erreichte der Wert ein Niveau, was zuletzt im Jahr 1996 verzeichnet wurde.

Der Gouverneur von São Paulo, Geraldo Alckmin, führte das Ergebnis auf die gute Polizeiarbeit der letzten Jahre zurück. „Es ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von viel Engagement und lebensgefährlichem Einsatz. Polizeibeamte wurden getötet, haben als Helden im Kampf gegen das Verbrechen, ihr Leben gelassen, um diesen Erfolg zu erreichen“, so Alckim wörtlich.

Sicherheitsexperten wiesen auch darauf hin, dass sich die Polizeiarbeit in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich verbessert hätte, was sowohl die Aufklärung von Verbrechen betrifft also auch das Überwachen kritischer Bereiche. Weiterhin dazu beigetragen haben seit 2003 eine strengere Kontrolle und Erfassung von Waffen und ein Zurückdrängen der Drogenkriminalität insbesondere der Aktivitäten der mafia ähnlichen Untergrundorganisation PCC Primeiro Comando da Capital.

Landesweit wurden nach den zuletzt verfügbaren Daten von 2014 im Schnitt 25,2 Morde pro 100.000 Einwohner begangen. Die höchste Mordrate mit 61,9 Fällen weist der Bundesstaat Alagoas im Nordosten von Brasilien auf.

Im Staat São Paulo verringerten sich die Tötungsdelikte innerhalb von eines Jahr um 12,5% von 4.293 in 2014 auf 3.757 in 2015. Die Stadt São Paulo selbst hatte bereits in den Jahren 2011 und 2014 Mordraten von unter 10 bezogen auf 100.000 Einwohner, in 2015 fiel dieser Wert weiter auf 8,56.

Quelle: Secretaria da Segurança Pública do Estado de São Paulo

Quelle: Secretaria da Segurança Pública do Estado de São Paulo

Der Fall wurde in ähnlicher Größenordnung in der Landeshauptstadt, die bereits im Jahr 2011 und 2014 Mordraten unter 10 pro 100.000 registriert worden war, wiederholt. Dieses Verhältnis sank erneut und lag bei 8,56 im Jahr 2015.

Am höchsten ist die Mordrate mit 10,13 nach wie vor im Großraum São Paulo. Allerdings unterscheidet sich die Erfassungsmethode der Polizei von der Methodik, die von einigen Experten internationaler Organisationen benutzt wird. Gezählt werden die Anzahl der Fälle nicht die Zahl der tatsächlichen Mordopfer. So gab es beispielsweise im letzten Jahr einen Vorfall mit alleine 8 Toten in Osasco, einem Vorort von São Paulo.

Zieht man die tatsächliche Zahl der Opfer in Betracht, die durch direkte Tötungsdelikten, Raub und Einsatz der Polizei starben, betrug die Mordrate für den Bundesstaat São Paulo 11,7 pro 100.000 Einwohner.

Alexandre de Moraes, Vertreter des Ministeriums für öffentliche Sicherheit erklärte dazu:“Das Wichtigste ist, dass die Kurve São Paulo nach unten zeigt, während die Kurve in den Rest des Landes leider nach oben geht“. Er selbst sie die sinkende Mordrate als Erfolg für eine bessere und effektivere Polizeiarbeit.

Die von der Regierung Alckmin vorgelegten Zahlen verzeichnete für den Bundesstaat São Paulo neben der Reduzierung der Mordrate eine Reduzierung aller gemeldeten Verbrechen, darunter zählen beispielsweise Diebstahl, Bankraub, Kfz-Diebstahl, Raub, Entführung und Vergewaltigung.

In Sachen organisierte Raubdiebstähle war ein Rückgang um 1,2% zu verzeichnen, nachdem es im letzten Jahr in diesem Bereich eine Eskalation von Fällen gegeben hatte. Allerdings ist die Zahl der Raubüberfälle trotz allgemein positivem Trend in den letzten Monaten besorgniserregend angestiegen. Allein im Dezember 2015 gab es 8,6% mehr Vorkommnisse, der dritte Anstieg in Folge auf Monatsbasis.

 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: FUTURA PRESS/Nivaldo Lima