Die Stadtverwaltung von São Paulo hat neue Verhaltensregeln für Taxifahrer erlassen. Diese beinhalten vor allem neue Vorschriften für Kleidung, Hygiene, Umgang mit Kunden und den Komfort der Fahrzeuge. Auch wenn es offiziell keine Bestätigung gibt, die neuen Bestimmungen dürften im Zusammenhang mit dem Fahrdienstvermittler Uber stehen, der seit einiger Zeit in São Paulo aktiv ist und stark expandiert.

 

Am dem 18.01.2016 müssen sich Taxifahrer in São Paulo an eine feste Kleiderordnung halten und dürfen in Anwesenheit von Fahrgäste nicht mehr fluchen. Vorgeschrieben sind Hemd und Anzughose, für Chauffeure von individuellen Fahrdienstanbietern sogar Anzug, Krawatte oder Smoking.

Die Bestimmungen wurden bereits Ende Dezember von der zuständigen Behörde beschlossen. Die Fahrer hatten 30 Tage Zeit, sich an die neuen Regeln zu gewöhnen.  Erst im Oktober hatte die Stadtverwaltung Regelungen beschlossen, die den Fahrdienstanbieter UBER unter Auflagen einen legales Angebot ermöglichte. Dagegen hatte sich massiver Protest der Taxifahrer formiert. Unter anderem wurde das komplette Verbot des Dienstes gefordert. Auch war es vereinzelt zu Gewalt gegen UBER Fahrer und Sachbeschädigungen an deren Fahrzeugen gekommen.

UBER, setzt von sich aus neue Standards in Sachen Servicequalität. Außerdem fördert es die Verhaltsweise der Fahrer durch ein Bewertungssystem. Die Neuregelungen der Verhaltensweisen von Taxifahrern kann daher auch als Versuch der Stadtverwaltung gesehen werden, durch gleiche verbindliche Servicestandards den Wettbewerbsvorteil in diesem Punkt von UBER zu entschärfen, zu Gunsten aller Fahrgäste.

Die Regelung, die knapp 100 Einzelpunkte umfassen, lesen sich wie eine Anleitung für gutes Benehmen. Hemden sind zugeknöpft und sauber zu halten, das Anlegen des Gurtes ist Pflicht. Das Tragen von Freizeitkleidung oder Fanshirts von Fußballmannschaften ist ausdrücklich verboten. Bei den zahlreichen Verboten haben sich die Behörden anscheinend an einem Beschwerdekatalog von realen Vorkommnissen orientiert.

So ist den Taxifahrern verboten, Gespräche über streitbare Themen wie Sport, Fußball, Politik oder Religion zu führen. Ladegeräte für Handys sind ebenso vorzuhalten wie Abrechnungsgeräte für Kreditkarten und Fahrradhalterungen. Die Klimaanlage des Fahrzeuges ist auf Wunsch des Kunden anzuschalten, auch auf Wünsche des Fahrgastes bezüglich des Radioprogramms ist einzugehen. Grundsätzlich sollten Taxifahrer den Kunden mit „Optimismus und Freude“ begrüßen und zuvorkommend behandeln.

Auch das äußere Erscheinungsbild wurde genauer reguliert. Bärte sind zu pflegen, Fingernägel ordentlich zu scheiden. Aufdringliches Parfüm, Schweiß, Zigarettenqual im Fahrzeug sind zu vermeiden. Jedem Passagier sind Wassern oder Papierhandtücher anzubieten.

Die Kunden haben nun auch die Möglichkeit schlechtes Verhalten oder Verstöße der Taxifahrer anzuzeigen. Dafür wurden extra Hotlines und E-Mail-Postfächer eingerichtet. Zusätzlich führ eine eigene Abteilung der Stadt Kontrollen durch. Für Regelverstöße wurde ein Ordnungsgeld von 35,52 R$ festgelegt.

Ob sich die Vorschriften in der Praxis tatsächlich bewähren, ob es ausreichend Kontrollen gibt und Fahrgäste, die sich aktiv durch Beschwerden daran beteiligen, bleibt abzuwarten. Aktuell wird viel Polemik über diese Regeln ausgeschüttet, die in ihrer Detailtreue den Verdacht auf Überregulierung nahe legen. Die Taxifahrervereinigung merkte bereits an, dass es aufgrund von hohen Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages schwer sein könnte, immer die passende Kleidung vorzuhalten. Auch wurden Vergleiche zu Städten wie New York oder Montreal gezogen, deren Vorschriften für Taxifahrer weit weniger regulatorisch sind.

Fraglich bleibt, ob die verbindlichen Servicestandards tatsächlich helfen, das Wachstums von Fahrdiensten wie UBER einzugrenzen, denn ein wichtiges Argument für die Wahl des Anbieters, der Fahrpreis, wurde nicht reguliert, so dass UBER hier aktuell weiterhin einen Vorteil gegenüber dem traditionellen Taxigewerbe aufweist, was zu einem hohen Kundenwachstum führen sollte.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: BrasilToday

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