Der brasilianische Aktienindex Bovespa ist in drei Wochen von knapp 40.000 Punkten auf über 49.000 Punkte angestiegen, getrieben vor allem durch die beiden Indexschwergewichte Petrobras (+70% im gleichen Zeitraum) und Vale (+87%). Allein in der ersten Märzwoche stieg der Index um mehr als 16%, der höchste Wochengewinn seit 2008. In den letzten Tagen verbilligte sich zudem der Dollar auf 3,78 R$. 

 

Die fundamentalen Wirtschaftsdaten haben sich indes kaum geändert. Brasilien befindet sich nach wie vor in einer rezessiven Phase. Die Produktionskapazitäten sind unterausgelastet. Allein im Automobilbau läuft die Produktion in vielen Werke auf weniger als 50%. Zwar haben sich die Rohstoffpreise leicht stabilisiert. Auch der Ölpreis hat offenbar kurzfristig seinen Boden gefunden, das BRENT bewegt sich inzwischen wieder deutlich über 30 US$ und liegt aktuell sogar bei 38 US$ fast 10 US$ von den Tiefkursen um 28 US$ entfernt. Das hilft vor allem Rohstoffexporteuren wie Vale und dem Ölkonzern Petrobras.

Aber das allein erklärt nicht den Anstieg des Aktienindex auf breiter Basis. Viel mehr liegen die Ursachen in der Entwicklung der politischen Situation in Brasilien. Mit einer weiteren Phase der Korruptionsermittlungen Lava Jato, inzwischen Nummer 24, um Petrobas sind nun der Ex-Präsident Lula da Silva und damit auch indirekt die Präsidentin Dilma Rousseff in den Fokus der Fahnder gerückt. Auslöser waren Aussagen des bereits im Dezember letzten Jahres verhafteten Senators Delcidio do Amaral, der Lula de Silva arg in Bedrängnis bringt.

So wurde der Ex-Präsident heute von der Polizei von seinem Wohnsitz im Bundesstaat São Paulo zum Stadtflughafen Congonhas gebracht und dort verhört. Für Lula war dies bereits „ein Gefühl, wie im Gefängnis zu sitzen“, wie er anschließend der Presse mitteilte. Er selbst sieht sich jedoch vollkommen zu unrecht verfolgt. Wörtlich sagte er: „Ich habe mit meiner Amtszeit mein Soll erfüllt und ein prosperierendes Land an meine Nachfolgerin Dilma Rousseff übergeben. Die hat in ihrer ersten Amtszeit einen guten Job gemacht. Jedoch seit Oktober 2014 wird verhindert, dass sie das Land ordentlich regieren kann.“

Tatsächlich scheinen die Beweise sehr stichhaltig zu sein, dass Lula da Silva Gelder von Ölkonzern Petrobras abgezweigt hat, um seine Partei (PT) und endliche Gefolgsleute zu bezahlen. So hat Petrobras teilweise Verträge in Höhe von mehreren Mrd. Reals mit Firmen abgeschlossen, die offenbar zum System „Lula und seine Freunde“ gehörten. Ein Teilbetrag der Vertragssummen wurde über indirekte Kreditgewährung an die PT weitergeleitet.
Damit wurde letztendlich Petrobras massiv übervorteilt und ist unter anderem auch dadurch in eine Schieflage geraten.

In der Amtszeit von Lula da Silva war Dilma Rousseff zunächst Energieministerin und anschließend Kabinettschefin, bevor sie von Lula zu seiner Nachfolgerin gemacht wurde. Dilma Rousseff hatte in dieser Zeit einen Aufsichtsratsposten bei Petrobras inne. Bisher hatte sie sich immer damit herausgeredet, nichts von den Machenschaften gewusst oder bemerkt zu haben. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussagen wird voraussichtlich in Kürze auf den Prüfstand kommen, sei es dass Lula da Silva oder einer seiner vielen begünstigten Freunde noch stärker unter Druck gerät und belastende Aussagen gegen Dilma Rousseff macht. Die bisherigen Ermittlungen, die sich schon mehr als eineinhalb Jahre hinziehen, legen die Vermutung nahe. Zu bedingungslos und ohne Rücksicht auf Ämter, Personen, politische und wirtschaftliche Verbindungen sind die Untersuchungen.

Die Märkte scheinen das Szenario offensichtlich zu mögen, wenn man die aktuelle Kursentwicklung anschaut. Und inzwischen sind es nicht nur Investoren, die in der Absetzung von Dilma Rousseff, die stetig wahrscheinlicher wird, einen Befreiungsschlag für das Land sehen, um endlich wieder auf einen Wachstumspfad zurückzufinden. Am 13. März wird es erneut einen landesweiten Protest gegen die Politik der Präsidentin geben. Es könnte eine der größten Manifestationen der Geschichte Brasiliens werden.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: BrasilToday