Kurz vor Jahresende haben Wirtschaftsexperten ihre Einschätzung zur Entwicklung wichtiger volkswirtschaftlicher Kennzahlen wie Entwicklung der Verbraucherpreise (IPCA), dem Bruttoinlandsprodukt (BPI) dem Leitzins (Selic), Wechselkurs und Handelsbilanzüberschuss für 2015 und 2016 erneuert. Sie bestätigen den weitgehend den Trend, dass sich Brasilien in einer fortgesetzten Rezession befindet. Einige Indikatoren wurden sogar besonders abgewertet.

 

Bruttoinlandsprodukt

Für 2015 wird nun mit einer Verschlechterung des BIP um 3,5% gerechnet. Diese Zahl bestätigt den bisherigen Trend und damit das schlechteste Ergebnis seit 25 Jahren. Zuletzt wurde 1990 ein Rückgang des BIP von 4,35% verzeichnet. Über das Jahr gesehen hat sich die Einschätzung der Experten tendenziell immer weiter verschlechtert und zur letzten Prognose Ende November noch einmal diese Richtung verstärkt, von -3,19% auf -3,5%. Für 2016 gehen die Experten von einem Rückgang des BIP um 2,13% aus. Damit befindet sich das Land zum ersten mal seit Beginn der statistischen Erhebung des Wirtschaftswachstums im Jahr 1948 in zwei aufeinanderfolgenden Jahren in eine rezessiven Phase.

ChartBIPDez

Quelle: Zentralbank

Letzte Woche gab die zentrale Statistikbehörde IBGE, bereits bekannt, dass die Wirtschaft im dritten Quartal um 1,7% weiter geschrumpft ist, was eine leichten Rückgang zu den -2,1% im zweiten Quartal bedeutet, aber insgesamt auf das Jahr gerechnet den Negativtrend bestätigt.

 

Inflationsrate / Verbraucherpreise (IPCA)

Im Vergleich zu letzten Prognose Ende November wurde die erwartete Inflationsrate von 10,38% auf 10,44% angepasst.  Für 2016 wird die offizielle Inflationsrate bei 6,7% und damit über dem oberen Zielbereich der Zentralbank Banco Central do Brasil von 6,5%. Deren ursprüngliches Ziel war es, die Inflation im kommenden Jahr in jedem Fall unterhalb der Obergrenze zu halten. Als ideal sieht die Zentralbank einen Zielkorridor von 2,5% bis 6,5% an, mit einer gemittelten Inflation von 4,5%. Diese ist nach Einschätzung der Zentralbank jedoch erst 2017 wieder erreichbar.

Quelle: Zentralbank

Quelle: Zentralbank

Insgesamt wurde die Inflationserwartung damit das elfte Mal in Folge nach oben angepasst. Noch Ende September wurde eine IPCA von 9,5% für das Gesamtjahr 2015 angenommen.

Laut Ökonomen sind nach wie vor der hohe Dollarkurs und gestiegene Verbraucherpreise für Gas, Wasser, Strom und Telefon für den Preisauftrieb verantwortlich.

 

Leitzins Selic

Die Zentralbank hat den Leitzins in der letzten Sitzung Ende November bei 14,25% belassen. Das ist der höchste Wert seit neun Jahren. Die Experten rechnen, dass der Selic genannte Zinssatz für 2016 iim Bereich 14,13% –
Nachdem die Zentralbank hat die Zinsen unverändert bei 14,25% im November gehalten, den höchsten Stand seit neun Jahren der Markt stieg schätzungsweise Selic im Jahr 2016 im Durchschnitt von 14,13% auf 14,25% steigen wird. Der Leitzins ist das wichtigste Instrument der Banco Central do Brasil, den Inflationsdruck zu steuern. Jedoch besteht mit immer höheren Zinsen die Gefahr, jegliche Investitionsbereitschaft in die Realwirtschaft abzuwürgen, was sich gerade in der jetzigen Phase einer Rezession fatal auswirken würde. Eine Senkung des Leitzins wäre dagegen hilfreich, um Investitionen in die Wirtschaft zu stimulieren, dafür müsste allerdings auch die Inflation eingedämmt werden müssen.

 

Wechselkurs

Experten sehen den Wechselkurs zum US$ am Jahresende bei 3,95 R$. Für 2016 wird mit einem moderaten Anstieg auf 4,20 R$ gerechnet. Nach einem starken Anstieg des Dollarkurs seit Anfang des Jahres um mehr als 50% hatte sich der Real in den letzten Wochen etwas erholt und hatte den Dollarkurs zeitweise in die Nähe von 3,75 R$ gedrückt. Durch aufkommende politische Unsicherheiten durch das eröffnete Amtsenthebungsverfahren gegen die Präsidentin Dilma Rousseff, ist wieder Unruhe in den Markt gekommen, was auch den Wechselkurs belastet hat.

 

Handelsbilanz

Die Prognose für die Handelsbilanz (Exporte minus Importe) für das Jahr 2015 ist zur letzten Einschätzung gleich geblieben. Es wird mit einem Überschuss von 15 Mrd. US$ gerechnet. Für 2016 wurde die Prognose angepasst von einem Überschuss von 31,68 Mrd. US$ auf 31,44 Mrd. US$.
Die Prognose für ausländischen Direktinvestitionen in Brasilien sank leicht von 62,8 Mrd. US$ auf 62,6 Mrd. US$ in 2015. Die Schätzungen für 2016 wurden angepasst von 58 Mrd. US$ auf 57 Mrd. US$.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: Flickr/Senado Federal