Kurzzeitig verhaftet, aber inzwischen wieder frei gelassen wurde am 1. März 2016 in São Paulo, Diego Dzodan, Vize-Präsident von Facebook für Latein Amerika. Grund ist die Weigerung von Whatsapp, in einem Kriminalfall zu kooperieren.

 

Die Verhaftung erfolgte auf Antrag von Staatsanwalt Marcel Maia Montalvão in Largarto, Bundesstaat Sergipe, im Nordosten von Brasilien. Sie ist die direkte Folge der mangelnden Kooperation von Facebook bzw. WhatsApp mit der Polizei, in Sachen einer Strafverfolgung. Drogenschmuggler hatten WhatsApp zur Kommunikation benutzt, die Polizei wollte die Identität ermitteln und weitere Chatverläufe sicher stellen.

Die Verhaftung erfolgte präventiv bei Dzodan zu Hause in São Paulo. Von dort aus wurde der Manager in den Polizeigewahrsam in Lapa überführt. Dort hatte Dzodan auch die Möglichkeit mit einem Anwalt des Unternehmens zu sprechen.
Die Untersuchungshaft war zunächst für 10 Tage angesetzt. Anschließend war eine Verlegung von einer Einzelzelle in eine Zelle mit mehreren Gefangenen mit ähnlichem Bildungsabschluss vorgesehen.

Die Justizbehörden in Sergipe verfolgen seit längerem einen Fall von landesweitem Drogenschmuggel, nachdem vor 4 Monaten eine größere Menge von Drogen in Lagarto sicher gestellt wurde. Da die Drogenschmuggler nachweislich über Whatsapp kommuniziert hatten, verlangte die Justiz, weitere Auskünfte zum Aufenthaltsort und zur Identität der Personen. Die Herausgabe dieser Daten wurde jedoch von WhatsApp verweigert.

Daraufhin verhängt ein Richter eine Strafe von ursprünglich 50tsd. R$ pro Tag, die anschließend auf 1 Mio. R$ pro Tag angehoben wurde, mit dem Ziel, das Unternehmen zur Herausgabe der Informationen zu zwingen.

Da dies nicht erfolgte, beantragte der Staatsanwalt Montalvão nun die Verhaftung von des für das Lateinamerika Geschäft zuständigen Managers, Dzodan.

Dzodan, geboren in Argentinien, hat die Leitung von Facebook im Juni letzten Jahres von Alexandre Hohagen übernommen. Vorher war Dzodan Präsident des Softwareunternehmens SAP für Lateinamerika.

Facebook verurteilte die Verhaftung von Dzodan als extrem unabgebrachtes Mittel. „WhatsApp sei eine eigenständige Einheit, die separat geführt wird“, so ein Unternehmenssprecher.

WhatsApp selbst sprach ebenso von einem unangebrachten Verhalten seitens der Polizei. „Whatsapp kann keine Informationen liefern, die es nicht hat“, so äußert sich das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Man sichere allerdings maximale Kooperation zu und respektiere den Wunsch der Aufklärung von Straftaten.

Laut WhatsApp werden die Chats nicht gespeichert. Es ist daher unmöglich, nachträglich Chatverläufe wieder herzustellen. Außerdem verwendet WhatsApp seit 2014 eine Verschlüsselungsmechanismus, der es dem Unternehmen unmöglich macht, die Kommunikation zwischen zwei Nutzern einzusehen. Die Nachrichten werden so kodiert, dass eine direkte Überwachung schwierig ist.

Frederico Ceroy, Präsident des Instituts für Digitalwirtschaft in Brasilien, wies jedoch darauf hin, dass die Justiz nicht unbedingt den Inhalt der Nachrichten sondern in der Hauptsache den Auftenthaltsort und die Identität der Nachrichtenschreiber erfahren wollte. „Facebook muss auch den Weg von anderen Unternehmen wie Google oder Hotmail gehen, wenn es darum geht organisierte Verbrechen und Drogenschmuggel aufzudecken. Es kann nicht sein, dass man sich dabei hinter der Privatssphäre und Datenschutzgründen verstecke“, so Ceroy.

Insgesamt ist es nicht die erste Auseinandersetzung zwischen Facebook und der Justiz in Brasilien. Im letzten Jahr wurde WhatsApp kurzzeitig aus gleichem Grunde geblockt. Das Unternehmen hatte sich geweigert, sich an der Aufklärung eines Kriminalfalles zu beteiligen. Ein ähnlicher Fall wiederholte sich im Februar diesen Jahres.

Auch diese Maßnahmen zeigten keine bis wenige Effekte. Die Sperre war teilweise nicht wirksam und wurde nach wenigen Stunden wieder aufgehoben.

Ähnliches ereignete sich 2012 als der Generaldirektor von Google in Brasilien José Silva Coelho in São Paulo verhaftet wurde. Damals ging es um die Veröffentlichung von zwei Videos auf einen Politiker auf Youtube. Coelho wurde jedoch am gleichen Tag wieder aus der Haft entlassen.

 

 

Quelle Text: Folha de S.Paulo | Quelle Foto: BrasilToday