Volkswagen ist eines der erste Unternehmen, was bereit ist, über Schadenersatzforderungen aus der Zeit der Militärdiktatur, zu verhandeln. Im Kern geht es um Beteiligung an der Unterdrückung der politischen Opposition und der Arbeiterbewegung.

 

Mitarbeiter der Konzernzentrale, die sich auf Bitten des Ministério Público Federal (MPF) in Brasilien aufhalten, versicherten, dass das Unternehmen eine Einigung anstrebt, die sich auf eine Untersuchungen der Nationalen Wahrheitskommission CNV (Comissão Nacional da Verdade) stützt.

Manfred Grieger, Leiter der historischen Aufarbeitung der Volkswagen-Gruppe, unterstrich die Absicht, sich an der Sitzung des MPF am 14.11. in São Paulo zu beteiligen und mit Opfern der brasilianischen Militärdiktatur in Kontakt zu treten, um weitere Informationen zu erhalten über die Beziehung zwischen Volkswagen Brasilien und brasilianischen Regierungsstellen in dieser Zeit.

Grieger sagte: „Es ist der Beginn einer Diskussion darüber, wie man eine Einigung in dieser Frage erreichen kann. Eine Idee ist, gemeinsam mit brasilianischen Institutionen und Gewerkschaften ein Konzept einer Gedenkstätte zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Wir wollen in der Diskussionen das Für und Wider abwägen und über die nächsten Schritte beraten“.

Seit 2014 sammelt Grieger Informationen und Dokumente, die Vorwürfe der Unterstützung von Volkswagen für das Regime belegen. Er traf sich dazu unter anderem mit Pedro Antonio de Oliveira Machado, dem Staatsanwaltschaft, der Ermittlungsbehörde des MPF in Sao Paulo.

Machado bestätigte: „Wir wollen eine Vereinbarung finden. Das Ziel ist, einen Fond aufzulegen, aus dem Reparationszahlungen sowie Geld für den Bau einer Gedenkstätte oder ein Museum bereitgestellt werden kann.

Machado und seine Kollegen von der MPF haben Unterlagen von zehn Verbänden, Vereinen, Forscher, von ehemaligen Mitgliedern der CNV und ehemaligen Beschäftigten von Volkswagen do Brasil, die durch das Militärregime verfolgt wurden erhalten. Übergeben wurden die Papiere an die Staatsanwaltschaft im September. Darauf hin wurde ein öffentliches Verfahren eröffnet das klären soll, wie Volkswagen do Brasil sich an Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur beteiligt hat.

Straßenbild São Paulo 1971

Straßenbild São Paulo 1971 (Foto FlickR)

Die Gewerkschaften bestehen jedoch darauf, dass die MPF den Grad der Beteiligung der Unternehmensführung an jeder einzelnen Tat, insbesondere von Folter auf dem Werksgelände und Zusammenarbeit mit staatlichen Sicherheitsbehörden, militärischen Einheiten und Arbeitgeberverbänden untersucht. Zudem möchten die Gewerkschaften klären, inwieweit Volkswagen durch die Kollaboration mit dem Regime Vorteile erhalten hat. Dazu haben die Gewerkschaft bereits Unterlagen vorgelegt, die eine Verbindung zu Teilen der Armee nahelegen, insbesondere was das Modell Käfer betrifft. Zudem gibt es anscheinend Hinweise über die Unterwanderung von Streiks und Demonstrationen durch bezahlte Mitarbeiter.

Es sind ca. 200  Polizeiberichte vorhanden, in denen Arbeiter, die sich an Streiks beteiligt hatten, gefangen genommen und auf dem Gelände von Volkswagen in Sao Bernardo do Campo gefoltert wurden. Insbesondere Arbeiter, die der kommunistischen Parteien nahe standen, wurden von der Militärpolizei drangsaliert.

Neben Machado und Grieger nahmen an der Sitzung in der Zentrale der MPF auch Gewerkschafter, Wissenschaftler und einige der Opfer teil. Zudem reist auch Jörg Kother an, ein Arbeitnehmervertreter aus der VW-Zentrale an.

„Wir wollen eine Entschädigung erreichen. Wir wollen keine individuelle Vereinbarungen, sondern eine Gesamtlösung.“: sagte Sebastião Lopes de Oliveira Neto, der die Arbeitsgruppe für die Unterdrückung der ArbeiterInnen der Gewerkschaftsbewegung CNV führt. Ihm zufolge besteht „eine sehr enge Beziehung zwischen dem Autohersteller und der Sicherheitsorgane während des Militärregimes“.

 

Quelle Text: BondeNews | Quelle Foto: Flickr/Roger W