Die Wasserbehörde des Bundesstaates São Paulo, Sabesp, erklärte am 25. März die Wasserkrise, die 1,5 Jahre Schlagzeilen beherrscht und für große Unruhe in der Bevölkerung gesorgt hatte für beendet. Das am meisten betroffene Resservoir Sistema Cantareira erreicht nun wieder eine Gesamtkapazität von 34,8%.

 

Nach Einschätzung von Gouverneur Geraldo Alckim kann bei diesem Wasserstand von einer generellen Erholung der Wasserversorgung gesprochen werden. Dem widersprachen jedoch einige Fachleute und Experten.

Die Sabesp, in deren Verantwortung die Verwaltung der Wasserversorgung des Bundeststaates und insbesondere der Metropolregion São Paulo mit mehr als 20 Mio. Einwohner fällt, geht davon aus, dass sich die Situation grundlegend verbessert hat. Dadurch würden auch die Programme, die als Anreizsysteme im Jahr 2014 zum Wassersparen aufgelegt wurden, ab Mai eingestellt. Diese beinhalteten einen Bonus für eine deutliche Reduktion des Wasserverbrauchs über einen festgelegten Durchschnittsverbrauches hinaus und eine Strafgebühr für deutlich über dem Normalverbrauch liegenden Wasserkonsum.

Dieses System war eines der Säulen, die dazu geführt hatten, dass sich das Wasserreservoir Sistema Cantareira, dessen Volumen auf weniger als 4% der Kapazität geschrumpft war, schneller als erwartet erholen konnte. Entscheidender waren letztendlich aber die Reduktion der angeschlossenen Verbraucher, deren Versorgung über andere Reservoire sichergestellt wurde und der über dem langfristigen Mittel liegende Niederschlag in den letzten Monaten.

Bereits Anfang März hatte Geraldo Alckim gesagt: „Wir kommen durch die Krise und brauchen keine Wasserrationierung mehr. Die verfügbare Kapazität ist von 6% auf fast 40% gestiegen und wird weiter steigen, da der März bekanntermaßen sehr niederschlagsreich ist. Und in Zukunft werden wird zwei weitere Wasserreservoire anschließen, voraussichtlich in 2017“.

Die Sabesp bestätigte, dass noch an verschiedenen Erweiterungsprojekten gearbeitet wird. Während der letzten Trockenperiode in 2015 war der Wasserstand bereits auf ein Niveau abgesunken, der ein Abpumpen des Wassers erforderlich machte. Von dieser Situation ist das Sistema Cantareira aktuell weit entfernt. Gleichzeitig betonte die Sabesp über genug finanzielle Mittel zu verfügen, weitere Projekte zur Stabilisierung der Wasserversorgung auszuführen.

Pedro Luiz Cortes, Experte der Universität São Paulo, USP, sieht die Situation jedoch weit kritischer: „Die Streichung des Anreizsystems ist keine strategisch gute Entscheidung, sondern ein Versuch der Sabesp, gute Nachrichten für die Bevölkerung zu verbreiten, nachdem die Behörde aufgrund der Wasserkrise über fast 2 Jahre in der Kritik stand. Die aktuelle Kapazität reicht zwar aus, über die aktuelle Trockenperiode zu kommen, aber bedeutet, dass man danach wieder von den Regenfällen des kommenden Sommers abhängig ist. Das ist keine nachhaltige Situation, die eine planbare Stabilität verspricht.“

Tatsächlich hat die Wasserkrise zu einen deutlich größeren Bewusstsein für die wertvolle Ressource Wasser gestärkt. Wasserverschwendung und auch Zählermissbrauch sind nach wie vor weit verbreitet. Daher ist es unverständlich, warum das Anreizsystem abgeschafft werden soll. Zur Wahrheit gehört auch, dass das Sistema Cantareira noch längst nicht wieder in der Lage ist, die gleiche Zahl an Einwohnern mit Wasser zu versorgen, wie vor der Krise. Es ist daher pure Augenwischerei der Sabesp und auch von Geraldo Alckim, dieses Problem als abgehakt anzusehen und zur Tagesordnung überzugehen.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: BrasilToday