Die Krise der Wasserversorgung in São Paulo entspannt sich leicht. Ein wichtiges Wasserreservoir, was aktuell über 5 Mio. Menschen versorgt, erreicht wieder ein positives Niveau. Dafür gibt es verschiedene Ursache, unter anderem überdurchschnittlich starke Regenfälle.

 

Das System Cantareira, eines der wichtigsten Wasserreservoirs für die Versorgung der Menschen in São Paulo mit Trinkwasser hat heute wieder in ein Niveau erreicht, in dem die Pumpen, die das Wasser seit 19 Monaten aus der Notreserve gefördert haben, abgeschaltet werden konnte. Ende 2014 war die Kapazität des Systems Cantareira inklusive der Notreserve auf 3,4% gefallen. Die zum System gehörenden Stauseen waren quasi ausgetrocknet.

System Cantareira im September 2015

System Cantareira im September 2015

Es hatte lange gedauert, bis die Verwaltungsbehörden von São Paulo die Wasserkrise eingeräumt hatten. Nachdem die Wasserreserven fast aufgebraucht waren, wurde endlich reagiert, und diverse Maßnahmen zur Stabilisierung ergriffen.

Dazu zählten:

  • Reduzierung der Verbraucher von 9 Mio. auf 5 Mio., durch Verlagerung der Wasserversorgung auf weniger kritische Reservoirs
  • Reduzierung des Wasserdrucks in den Leitungen
  • Rationierung und Teilabschaltung der Wasserversorgung
  • Erhebung von Strafen für Wasserverschwendung, u.a. privates Autowaschen
  • Bonussystem für Wassersparen
System Cantareira Ende Dezember 2015

System Cantareira Ende Dezember 2015

Die Reduktion der zu versorgenden Menschen hatte vermutlich den größten Effekt, die Entnahme aus dem System Cantareira deutlich zu verlangsamen. Daneben haben auch die Sparmaßnahmen ihre Wirkung entfaltet. Dass das System angefangen hat, sich zu erholen und nicht komplett ausgetrocknet ist, kann man aber auch auf die starken Niederschlägen in den vergangenen Monaten zurückführen. Im Dezember diesen Jahres hat es mit 259mm fast 20% mehr geregnet als im langfristigen Durchschnitt von 219mm.

Der Situation kann man durchaus etwas positives abgewinnen, auch wenn durch das fast ungesteuerte Herbeiführen einer Katastrophe die fehlenden Planungen in Infrasrukturentwicklungen – ein generelles Problem Brasiliens – mehr als deutlich geworden ist. Die Bevölkerung ist in höchstes Maße für sorgsamen und verbrauchsschonenden Umgang mit der kostbaren Ressource Wasser sensibilisiert worden. Das ist nicht selbstverständlich in einem Land, in dem die Ressourcenverfügbarkeit quasi unendlich scheint.

Die Verwaltung des Bundesstaates São Paulo hat daher auch bereits entschieden, das Bonus und Malussystem für Wasserverbrauch fortzusetzen. Ebenso werden größere Anstrengungen unternommen, den weit verbreiteten Wasserbetrug durch Manipulation von Zählern durch Kontrollen zurückzudrängen. Ein generelles Problem, was weiterhin besteht, ist der Verlust von Wasser aufgrund undichter Leitungen sowie der weitgehende Verlust von Regenwasser in der Stadt São Paulo selbst, durch Abfälle und Fäkalien kontaminierte Flüsse wie den Pinheiros.

Auch wenn nun erst mal Entspannung angesagt ist, die Situation ist längst nicht bereinigt. Bis zur vollständigen Erholung des System Cantareira sind noch mehrere niederschlagsreiche Perioden notwendigen. Erst wenn die Versorgungskapazität der ursprünglich 9 Mio. Menschen wieder hergestellt ist, kann man von einer tatsächlichen Erholung sprechen. Zudem darf man nicht vergessen, dass der Großraum São Paulo weiter von Bevölkerungswachstum geprägt ist, die zukünftig trotz aller Sparanstrengungen auf einen noch höheren Wasserverbrauch schließen lassen.

Zudem scheint es, wenn auch bisher schwierig nachweisbar, einen Zusammenhang zwischen Abholzungen des Regenwaldes in Amazonia und langfristig zurückgehenden Niederschlägen im Südosten Brasiliens zu geben. Um dieses Problem zu lösen, sind allerdings weit größere Anstrengungen notwendig, als einfach nur den Wasserdruck zu reduzieren.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: