Die geldpolitische Ausschuss der Zentralbank Copom hat am Mittwoch beschlossen, den Leitzins unverändert bei 14,25% zu belassen. Damit bleibt der Leitzins das vierte Mal in Folge unverändert. Experten hatten zuvor mit einer Anhebung gerechnet. Die Reaktionen auf die Entscheidung sind gemischt aber größtenteils zustimmend.

 

Die Entscheidung entstand vor allem unter dem Druck der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung, die keine Erholung erkennen lässt. Damit bleibt der Leitzins auch Selic genannt das vierte Mal in Folge unverändert und auf dem höchsten Stand seit 10 Jahren. Die meisten Schätzungen der Chefsvolkswirte von Banken hatten mit einem aggressiverem Vorgehen der Zentralbank gerechnet und waren von einem Anhebung des Selic um 0,5 Prozentpunkt auf 14,75% ausgegangen.

Stimmen und Experteneinschätzungen:

Otto Nogami, Professor für MBA an der Insper Univeristät: „Ich sehe in der aktuellen Geldpolitik ein Spielzeug, um Eitelkeiten zu befriedigen. Technisch gesehen fehlt es den Unternehmen an Investitionskapital, um Lagerbestände aufzubauen. Und sie haben natürlich Inflationsdruck. Unter diesem Aspekt wäre eine Zinserhöhung trotz anhaltender Rezession das richtigere Zeichen gewesen. Damit kommen sie nun in eine Lage, wo die Regierung mit Gewalt versuchen wird, einen niedrigen Zinssatz zu erreichen. Dadurch verlagern sie letztendlich das Problem in die Zukunft und vertiefen die Rezession.“

João Ricardo Costa Filho, Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der FAAP:
„Niemand kann sagen, ob die Erhöhung des Leitzinses tatsächlich eine Begrenzung der Inflation bewirkt.  Aber der Copom hat das Kommunikationschaos zu verantworten, was durch den Brief über die Inflationssteuerung an den Finanzminister Nelson Barbosa ausgelöst wurde. So kann Tombini als Vorstand der Banco Central nicht in einem Kommentar über den IWF sagen: „Vergessen Sie alles, was ich gesagt habe, die Richtung hat sich geändert“. Vielleicht ist die Entscheidung  richtig, vielleicht kann aber die Geldpolitik die Inflation nicht mehr wirksam aufhalten. Aber so kann man nicht kommunizieren. Die Inflation wird in diesem Jahr kaum noch im Toleranzbereich zu halten sein, aber der große Feind ist eigentlich die Steuerpolitik und die Staatsausgaben, die weiterhin steigen und die Preise für öffentliche Leistungen. Die Geldpolitik kommt an ihre Grenze. Dass die Zentralbank nun ihre Entscheidung in letzter Minute geändert hat, gibt Hoffnung, dass nun der Inflation etwas mehr Spielraum gelassen wird.“

Paulo Figueiredo, CEO von FN Capital:
„Ich glaube, dass die Zentralbank sich in der Tat auf die Kontrolle der Inflation konzentriert hat. Wir haben jedoch gesehen, dass die Strategie der Anhebung der Zinsen weitgehend unwirksam war und nicht zur Entlassung bei Preisen für Energie, Wasser und Kraftstoff geführt haben als auch nicht bei Regierung und der Zentralbank die Notwendigkeit erkannt wurde, etwas zu tun, um die Wirtschaft anzukurbeln.  Ich glaube, dass die Inflation im zweiten Quartal dieses Jahres zurückgeht, weil die Verbrauchspreise nicht mehr steigen und der Zinssatz gleich bleibt. Ich glaube, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum konstant bleiben sollten. Auf der anderen Seite könnte der Markt dies als Zeichen mangelnder Autonomie der Zentralbank sehen, was grundsätzlich nicht gut ist und die Glaubwürdigkeit der Banco Central beeinflussen kann.“

Juan Jensen, Partner bei 4E Consulting:
„Die Signale die von der Zentralbank ausgehen sind nicht gut. Es war keine gute Entscheidung und schlecht für die Glaubwürdigkeit der Zentralbank. Der Markt fragt sich, ist Präsident Dilma Rousseff der Entscheider oder der Vorstand der Zentralbank?“
José Francisco De Lima, Chefvolkswirt, Banco Fator: „Ich denke, es gab gestern eine Verschiebung der Meinung, wie ich bereits erwartet hatte.  Von gestern bis heute ist die allgemeine Erwartungshaltung um 50 Basispunkte auf Null gefallen aufgrund von innländischen und ausländischen Entwicklungen. Von nun an ist die Tendenz, dass der Zinssatz nicht mehr steigt, vor allem wenn die externen Unwägbarkeiten so bleiben.“

Paulo Pereira da Silva, Präsident von Força Sindical:
„Wir haben Millionen von Arbeitslosen und die meisten Unternehmen haben 50% Unterauslastung, was zeigt, dass die Wirtschaftspolitik der Regierung Dilma Rousseff unser Land in den Abgrund führt. Die Arbeitslosigkeit, die aktuell bei 9% ist könnte 15% erreichen in diesem Jahr. Das Ergebnis hohen Zinsen ist katastrophal für jedermann. Als Mitarbeiter steht man vor dem Problem von hohen Lebenshaltungskosten. Das Gehalt ist aufgebraucht und der Monat geht weiter. Wer arbeitslos ist, braucht zwei Jahre, um einen anderen Job zu bekommen, und sicher auch mit einem niedrigeren Gehalt. Es ist ein zu hoher Preis der für die Krise bezahlt wir.“

Alencar Burti, Präsident des Handelsverbandes São Paulo (ACSP):„Die Aufrechterhaltung des Selic hatte recht. Die Arbeitslosigkeit und Rezession haben sich das Vertrauen und den Verbrauch der privaten Haushalte gebracht, und dies sollte zu niedrigeren Inflation führen. [Die Selic Hochs praktiziert zuvor] ausgereicht, um die Inflations Eskalation umzukehren und zu produzieren Ergebnisse im Jahr 2016 und 2017. Das Ende der größeren Anpassungen in den öffentlichen Tarifen und Wechselkurse bestätigen ebenfalls diese Richtung. “
die aktuelle Inflationsrate ist vor allem auf höhere administrierte Preise und der Wechselkurs, nicht zum Verzehr “

José do Egito Frota Lopes Filho, der Präsident des brasilianischen Verband der Großhändler: „Die Entscheidung signalisiert, dass die Notenbank beginnt, sich im Gleichschritt mit der Realwirtschaft zu bewegen. Unternehmer, auch ohne spezifische Ausbildung in der Wirtschaft haben  auf die negativen Aspekte des Selic hingewiesen. Das hohen Niveau behindert die Wirtschaftstätigkeit, Unternehmen fehlt Geld, die Staatsverschuldung wächst. Erinnern wir uns daran, dass die aktuelle Inflation ist vor allem auf höhere administrierte Preise und dem Wechselkurs zurückzuführen, nicht auf dem Konsum. Die einzige Rechtfertigung für eine weitere Erhöhung wäre das Zeichen der Zentralbank, dass die Sparpolitik das Vertrauen der Märkte gewinnt. Aber es ist eine harmlose Geste, wenn die Regierung mangelnde Bereitschaft zeigt, ihre Ausgaben zu senken und die öffentliche Verwaltung zu straffen. Wir glauben, dass die Zentralbank die richtige Entscheidung getroffen, angesichts der Verschlechterung der Lage in einem rezessivem Umfeld.“

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: