Wie die Copom (Comitê de Política Monetária) nach ihrer Sitzung am 21.10.2015 mitteilte, wird der Leitzins bei 14,25% belassen. Damit bleibt der als Selic bezeichnete Referenzzinssatz der Zentralbank Brasiliens weiterhin auf dem höchsten Stand seit Juli 2006.

 

Der Selic ist vergleichbar mit dem Leitzins der EZB und dient als Mittel der Steuerung der Geldmenge und Beeinflussung der Inflationsrate. Er hat mittelbar auch Auswirkungen auf die Zinssätze von Kreditkartenschulden, Dispokrediten, Sparzinsen. Die Auswirkungen finden jedoch mit Zeitverzögerung statt oder sind bei geringen Veränderungen nicht sichtbar, da Banken eine Zinsmarge einkalkulieren, die deren Kosten- und Ertragssituation widerspiegelt.

Eine Absenkung des Leitzins hat theoretisch zur Folge, dass sich Kredite verbilligen und mehr nachgefragt werden. Die der Realwirtschaft zur Verfügung stehende Geldmenge steigen an. Eine Erhöhung des Leitzins wiederum führt zu einer Verteuerung von Krediten und zum Rückgang der Kreditnachfrage. Geld wird eher gespart als investiert, die Geldmenge sinkt. Die Konsumneigung geht zurück, was eine dämpfende Wirkung auf die Inflationsrate hat.

LeitzinsBrasil

Quelle: Banco Central do Brasil

Insbesondere diese Wirkung steht im Zentrum der aktuellen ökonomischen Diskussion, da sich die Inflationsrate Brasiliens, IPCA (Índice de Preços ao Consumidor Amplo), bezogen auf das Gesamtjahr 2015 in Richtung 10% bewegt und damit weit oberhalb der von der Zentralbank als mittlere Zielinflationsrate von 4,5% liegt. Die Zentralbank geht davon aus, dass diese erst im Oktober 2017 wieder erreicht kann.

Ökonomen bezweifeln jedoch, dass von einer weiteren Leitzinserhöhung eine inflationsdämpfende Wirkung ausgeht. Die Gründe liegen in der importierten Inflation durch die anhaltende Schwäche des Real gegenüber dem Dollar und an gestiegenen Kosten für Energie-, Wasser- und Stromversorgung sowie dem öffentlichen Nahverkehr, die sich direkt auf den berechneten Warenkorb auswirken. Dagegen wird eine realwirtschaftlich bedingte Inflation als unwahrscheinlich zurückgewiesen. Trotz bereits erfolgter Leitzinserhöhungen von 3,25% innerhalb eines Jahres ist es nicht gelungen, die Inflation einzudämmen, im Gegenteil, sie ist weiter gestiegen.

 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: Flickr/Senado Federal