Die Zentralbank Brasiliens hat auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, den Leitzins unverändert bei 14,25% zu belassen. Damit bleibt der Selic genannte Zinssatz auf dem höchsten Stand seit 2006 und das dritte Mal in Folge unverändert. Die letzte Anhebung fand im September statt. Zwei Direktoren stimmten jedoch für eine weitere Erhöhung auf 14,75%.

 

Der Geldmarktausschuss der Banco do Brasil COPOM hat am Mittwoch beschlossen, den Leitzins Selic unverändert bei 14,25% zu lassen. Er bleibt damit auf dem höchsten Stand seit 9 Jahren. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmt. Zwei Direktoren, Tony Volpon und Sidnei Corrêa Marques stimmten für eine weitere Anhebung auf 14,75% wurden aber von der Mehrheit überstimmt von den weiteren fünf Direktoren und dem Vorstandsvorsitzender der Bank, Alexandre Tombini, überstimmt. Das letzte Mal, als eine Entscheidung nicht einstimmig fiel, war im Oktober 2014.

Das Abstimmungsergebnis des COPOM zeigt, dass die Zentralbank weiter besorgt ist, um die Entwicklung der Inflationsrate und den negativen Ausblick für 2016, wo führende Ökonomen die Inflationsrate bei 6,5% sehen und damit am oberen Ende der Zielbandbreite der Zentralbank. Sollten sich die Inflationserwartung für 2016 weiter verschlechtern, ist von einer Anhebung des Selic auszugehen.

LeitzinsNov

Quelle: Zentralbank

Am Ende der Sitzung gab die Zentralbank folgende Erklärung ab: „Nach Bewertung des makroökonomischen Szenarios und im Hinblick auf die erwartete Entwicklung der Inflation hat der COPOM beschlossen, den Selic bei 14,25% zu belassen. Die Entscheidung fiel mit 6 gegen 2 Stimmen ohne Enthaltung aus. Die zwei Gegenstimmen hatten eine weitere Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte vorgeschlagen.“

Die Entscheidung der Banco do Brasil entsprach weitgehend der Markterwartung. Es wird allgemein damit gerechnet, dass die Zielinflationsrate von 4,5% erst im Jahr 2017 tatsächlich wieder erreicht wird. Mit den hohen Leitzinsen versucht die Zentralbank Kreditvergabe und Konsumausgaben zu steuern und die Inflation einzudämmen. Jedoch haben vor allem die Dollarstärke und die gestiegenen Verbraucherpreise für Strom, Telefon, Wasser, Energie und öffentlicher Nahverkehr zum allgemeinen Preisanstieg beigetragen.

Hohe Zinsen sind auf der anderen Seite wirtschaftsfeindlich, da sie kreditbasierte Investitionen verteuern mit der Folge, dass weniger Geld in die Realwirtschaft fließt und weniger neue Arbeitsplätze geschaffen oder sogar reduziert werden. Zudem leidet Brasilien am Rückgang des BIP von geschätzten 3,15% in 2015 und weiteren 2% in 2016. Damit würde das Land zum ersten Mal seit 1948 in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ein negatives Wachstum aufweisen.

Mit der Entscheidung der Zentralbank vom Mittwoch bleibt Brasilien an Position eins der Länder mit der höchsten Realzinsprognose auf 12 Monate gerechnet mit einem Wert von 6,55%. Auf Platz zwei folgt Russland mit 2,78% und China mit 2,3%. In 40 Volkswirtschaften wird mit einer negativen Realzins von bis zu 1,8% gerechnet (Umfrage von MoneYou)

System der Inflationssteuerung

Die Berechnung der Inflationsrate in Brasilien erfolgt anhand des Verbraucherpreisindex IPCA. Das theoretische Ziel ist eine Inflationsrate von 4,5% mit einer Schwankungsbreite zwischen 2,5% und 6,5% im Jahresverlauf. Für 2015 liegt dieser Wert jedoch weit ausserhalb. Auf das Jahr gesehen könnte die Inflationsrate bei 10,33% liegen. Sollte sich dies bewahrheiten, ist dies der höchste Wert seit 13 Jahren. Als Mittel der Gegensteuerung nutzt die Zentralbank den Leitzins Selic. Jedoch hat sich durch die bereits erfolgten Anhebungen des Zinsatzes noch kein positiver Effekt für die Inflationsrate ergeben. Der Zentralbank ist es maximal gelungen, die Inflation nicht weiter unkontrolliert ansteigen zu lassen. Für 2016 wird lediglich damit gerechnet, dass die Inflationsrate die Obergrenze der Bandbreite von 6,5% erreicht. Damit würde die Situation eintreten, dass zwei Jahre hintereinander, die Zielrate der Inflation nicht erreicht werden kann. Dies war zuletzt in den Jahren 2002 und 2003 der Fall. Anfang November bekräftige die Zentralbank das Ziel, die Inflationsrate in die Nähe von 4,5% zu bringen, in jedem Fall aber die Obergrenze von 6,5% nicht zu übersteigen.

Gründe für die hohe Inflation

  • Preissteigerungen ausgelöst durch Tariferhöhungen der Verbrauchspreise und Öffentlicher Nahverkehr
  • gestiegener Dollarkurs gegenüber dem Real (+40% auf Jahresbasis) erhöht die Preise für Importprodukte und Vorleistungen
  • Erhöhung der Preise für Benzin und Gas

Gründe die gegen weitere Anhebung der Zinsen sprechen

  • Phase einer technischen Rezession, die bereits dämpfend auf die Investitionsneigung wirkt
  • steigende Arbeitslosigkeit drückt auf die Konsumausgaben
  • steigende Verschuldung des Staates und damit steigender Zinsbelastung, in 2015 erwartetes Haushaltsdefizit: 52,8 Mrd. R$ bis 110 Mrd. R$
  • Diskussion um die Einführung der Finanztransaktionssteuer CPFM, um das Haushaltsdefizit 2015 und 2016 einzugrenzen
 

Quelle Text: GloboNews | Quelle Foto: Flickr/Senado Federal